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188
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Trennung als Gruppenthema
Neben Einzelkontakten bietet auch die Gruppenpädagogik Möglichkeiten, den Sinn dieser Trennung zu erschließen:
Zeshan lebt in einer Schichtgruppe mit acht anderen Jungen im Alter von sechs
bis dreizehn Jahren. So ganz genau wissen die Jungen nicht, warum sie nicht zu
Hause leben und wie sie sich im Heim fühlen sollen. Die Rede ist oft vom Scheißheim, obwohl sie sich dort offensichtlich auch wohlfühlen. Die Pädagog*innen
beschließen, mit den Jungen den Sinn der Trennung zu thematisieren. In
vier Gruppenbesprechungen reden sie über Plus und Minus der Heimunterbringung, über Familie und über den realen Verlust. Die Jungen erzählen
von ihren Wunschvorstellungen und ihren inneren Bildern über Familie, die
Pädagog*innen informieren über Familienrealitäten. Um den realen Verlust der
Jungen ernst zu nehmen und zu thematisieren, organisieren die Pädagog*innen
eine Jammersession. Alle neun Jungen jammern darüber, dass sie nicht zu
Hause, am besten mit den Eltern als Bilderbucheltern leben können. Wann
immer einer der Jungen jammern will, zeigt er das mit einem Jammerlappen,
hier ein Spültuch, an. Das gemeinsame Jammern macht ihnen offensichtlich
Spaß. Der Ernst der Situation wird trotzdem nicht negiert.
Die so wichtige Frage Warum bin ich hier? kann also auch in der
Gruppe bearbeitet werden. Das Zusammensein der Jungen gerade
zu dieser Frage entlastet sie, weil sie Gemeinsamkeiten erkennen
oder auch erfahren, dass sie über derartig schwierige Herz- und
Kopfangelegenheiten sehr gut miteinander reden können. Und
dies ist nötig. Einige Mädchen und Jungen im Expert*innenrat des
Fachverbandes Traumapädagogik berichteten erschüttert davon,
dass manche Mitbewohner*innen nicht wissen, welchen Sinn die
Trennung vom Elternhaus hat. Die Klärung sei eine Grundlage von
Zuhause, von angekommen sein.