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Zusätzlich sollen die Mädchen und Jungen erfahren, dass ihre Gefühle erlaubt sind, und sie sollen ermutigt werden, sich verbal oder
im Spiel auszudrücken. Möglicherweise wird dann auch das Ausmaß
ihrer Ängste und ihrer Wut sichtbar:
Philipp kommt aus der Stadt zurück. Er hat zufällig seinen großen Bruder getroffen. Er platzt vor Zorn und sucht Streit. Mit Philipp besteht bereits die Vereinbarung, seine Gefühle mit Batakas und Wutkissen abzureagieren. Philipp
bittet die Pädagogin um Begleitung. Sie unterstützt ihn, auf den Wutklotz zu
schlagen und zu schreien. Philipp schreit seinen nicht anwesenden Bruder an:
„Du Sau, du Schwein“, bis er erschöpft zu weinen beginnt. Auch der ältere Bruder
hatte Philipp missbraucht. Nach der Abreaktion wirkt Philipp entspannt und
ge-(er-)löst, endlich kann er einmal trauern.
Gefühle haben stets ihre Entsprechung in Spannungen im Körper.
Moshé Feldenkrais beschreibt in seinem Buch „Das starke Selbst.
Anleitung zur Spontaneität“ wie Denken und Fühlen sich auf den
Körper und sein Verhalten auswirken. Die Körperhaltung spiegele
eine Vernachlässigung unserer inneren Wahrnehmungen wider.
Und er geht davon aus, dass unsere Fähigkeit in unserem Körper
Dinge zu ändern, ein reiferes, potenteres Verhalten ermöglicht
(Feldenkrais 1992, S. 97 ff.).
Anna beteiligt sich an einer Mädchengruppe zur Selbstbemächtigung. Die
Mädchen vertreiben einen imaginären Angreifer mit Schreien. Anna kann
nicht schreien, ihr bleibt der Schrei im Halse stecken, sie bekommt keine Luft.
Der Schrei, der im Halse stecken bleibt, die Angst im Bauch, die
zusammengezogenen Schultern, Spannungen, verzerrte Körperhaltungen sind körperliche Hinweise darauf, dass etwas nicht
stimmt, dass etwas zu großen Stress erzeugt. Anna kann dies dann
besser regulieren, wenn sie den Schrei im Halse, die flache Atmung
auch wahrnehmen kann.