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142
Reaktion auf eine extreme Situation entlasten von Schuld und
Scham. Die Bewusstheit über den Sinn des eigenen Verhaltens, die
Selbst-Bewusstheit, ist die Grundlage für die Entwicklung alternativer, das Selbst stärkende Verhaltensweisen.
Die Weil-Frage, eine Methode des Selbst-Verstehens
Die siebenjährige Johanna lebt seit zwei Jahren in der Pflegefamilie. Immer
wieder mal schleicht sie nachts in die Küche und füllt sich eine Tüte mit Lebensmittel. Sie findet das selbst nicht gut, weil sie ihre Pflegeeltern mag und diese
nicht hintergehen will. Als Johanna wieder einmal fast im Kühlschrank kniet,
kommt die Pflegemutter hinzu. Sie sagt, „Du machst das sicher, weil du für
dich sorgen musst“.
Zum ersten Mal in ihrem Leben hört Johanna, dass es gut ist, dass
sie sich um sich kümmert, ihre Verhaltensstrategie wird als sinnvoll
bewertet; Johanna hat einen guten Grund, dies zu tun.
In der Wohngruppe randaliert der elfjährige Markus im Bad. Seit Markus in
der Einrichtung ist, randaliert er immerzu im Bad. Der Bezugsbetreuer kommt
hinzu und sagt in aller Ruhe zu Markus: „Mir fällt auf, Du randalierst immer
im Bad. Du tust das, weil?“ Daraufhin kann Markus sofort antworten: „Weil
meine Tante immer im Bad war“, und er erzählt weiter, wie und wie sehr diese
ihn in Bedrängnis brachte.
Der Bezugsbetreuer Andreas interessiert sich für Markus. Er möchte
dessen Verhalten, das Randalieren und Zerstören im Bad verstehen.
Es geht ihm auch darum, dass Markus sein Verhalten selbst versteht.
Andreas schaut sich das an, geht auf Markus zu und fragt ihn „Du
tust das, weil?“. Diese Worte hat er bewusst gewählt, weil er weiß,
dass er mit der Frage „Warum tust Du das?“ bei Kindern aus herausfordernden Lebensumständen sofort ein Schuldgefühl aktiviert, sie
in die Defensive drängt. So erreicht er, dass Markus sein Verhalten
als Reaktion auf früher verstehen kann, dass er dies als normale Reaktion auf eine unnormale Situation akzeptiert und dann vielleicht