2026-001/documents/theory/diagnostics/philipp-sucht-sein-ich/pages/127.md

35 lines
2.0 KiB
Markdown
Raw Blame History

This file contains ambiguous Unicode characters

This file contains Unicode characters that might be confused with other characters. If you think that this is intentional, you can safely ignore this warning. Use the Escape button to reveal them.

127
die eigene Entwicklung bewertet, wenn eine Balance zwischen
professioneller Unterstützung, alltagspraktischer Begleitung und
persönlicher Beziehung gegeben war.“ (Macsenaere/Esser 2015,
S. 80). Sie wollen Zugehörigkeit herstellen. Ihr Wohlbefinden und
ihre Leistungsmöglichkeit sind in hohem Maße von dem Gegenüber, d. h. von der Beziehung abhängig: „Die Bewertung des Heims
ist daher im Wesentlichen mit der Bewertung der konkreten Beziehungen zu den Erziehern deckungsgleich“ (Wieland 1992, S. 97).
Die exclusive Beziehung (vgl. 7.4) z. B. kann die Nachteile, bzw.
Spannungen der institutionellen Bedingungen Schichtdienst,
Pädagog*innenwechsel, Beziehung als Broterwerb teilweise ausgleichen.
Jana ist nervtötend und anstrengend. Sie ist auch witzig, liebevoll und kreativ.
Alle mögen Jana, die Wohngruppenleiterin, die Therapeutin, ihre Sozialarbeiterin im Jugendamt. Helferkonferenzen mit und über Jana zeichnen sich
vor allem dadurch aus, dass sie alle Regeln einer Zeitökonomie sprengen, weil
es einfach Spaß macht, über und mit Jana, ihre Stärken und Einfälle zu reden.
Eine gute Bindung bedeutet nicht zwangsläufig die Investition von
viel Zeit. Natürlich spielt Zeit eine Rolle, dennoch zeichnen sich gute
Beziehungen in stationären Einrichtungen der Erziehungshilfen vor
allem durch Respekt, Transparenz und Zuverlässigkeit aus.
7.2
Bindungserfahrungen besprechbar machen
Weil schädigende Bindungsmodelle weitergegeben werden meist
über mehrere Generationen ist eine Unterbrechung durch eine
bewusste Bearbeitung für nicht wenige Menschen wichtig. Mit Vorsicht und Behutsamkeit können Pädagog*innen die Kinder und
Jugendlichen dabei unterstützen, ihre alten Bindungserfahrungen
mit den aktuellen Bindungserfahrungen zu vergleichen. Wenn es
gelingt, frühe Bindungserfahrungen bewusst kommunizierbar zu
machen und emotionale Erfahrungen und negative Gefühle auf die
Ebene sprachlicher Darstellung zu bringen, sind die Mädchen und
Jungen diesen negativen Gefühlen nicht mehr hilflos ausgeliefert.