33 lines
2.3 KiB
Markdown
33 lines
2.3 KiB
Markdown
83
|
||
|
||
verbannen. Professionelle Helfer*innen, die durch ihren Beruf mit
|
||
Traumata konfrontiert werden, werden mit der eigenen Verwundbarkeit in ihrer natürlichen Umgebung konfrontiert. Das ist gerade
|
||
dann, wenn Kinder betroffen sind, eine besonders schmerzhafte
|
||
Auseinandersetzung. So ist die Geschichte der Wahrnehmung von
|
||
Traumata auch die Geschichte einer periodischen Tabuisierung. Die
|
||
gesellschaftlichen Reaktionen sind „[…] selten Ergebnis objektiver
|
||
und rationaler Einschätzungen. Sie sind eher hauptsächlich Folge
|
||
konservativer Impulse im Dienste der Aufrechterhaltung der
|
||
Annahme, dass die Welt im Wesentlichen gerecht ist, dass ‚gute‘
|
||
Menschen ihr Leben im Griff haben und dass nur ‚schlechten‘
|
||
Menschen Schlimmes zustößt.“ (van der Kolk u. a. 2000, S. 51)
|
||
Traumatische Realität kann nur dann im Bewusstsein bleiben
|
||
und erforscht werden, wenn die gesellschaftliche Wirklichkeit
|
||
dies zulässt. Wenn die Unterordnung von Frauen und Kindern in
|
||
einer patriarchalen Gesellschaft infrage gestellt wird, wenn Kriegsveteranen keine Helden sein müssen, wenn Folteropfer gehört
|
||
werden, wenn Eltern nicht als Eigentümer ihrer Kinder gelten etc.
|
||
und wenn Einzelne oder Gruppen von Betroffenen – wie z. B. von
|
||
dem eigenen Vater sexuell missbrauchte Frauen – den Mut haben,
|
||
auf sich aufmerksam zu machen. Und wenn von Krieg und Armut
|
||
betroffenen Menschen mit Mitgefühl und Solidarität begegnet wird.
|
||
Traumata werden seit Ende des 19. Jahrhunderts im Zusammenhang mit Kriegserlebnissen und sexueller Gewalt wahrgenommen.
|
||
Im republikanischen und antiklerikal geprägten Frankreich im
|
||
letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts wurde als das wahrscheinlich wichtigste Vermächtnis der Psychiatrie die Entdeckung des
|
||
traumatischen Ursprungs der Hysterie durch den Arzt und Neurologen Jean-Martin Charcot (1887) in der Salpetrière (Krankenhausgelände in Paris) und seinem Nachfolger Pierre Janet möglich. Janet
|
||
verdanken wir die erste umfassende Beschreibung der Wirkungen
|
||
eines Traumas auf die Psyche. Er war der Auffassung, dass furchterregende Ereignisse und die dazugehörigen heftigen Emotionen
|
||
dazu führen, dass Menschen die Erinnerungen an diese Erfahrungen
|
||
nicht in das Bewusstsein integrieren können. Janet beobachtete
|
||
auch, dass seine Patienten durch Erinnerungen an die überlebten
|
||
Traumata Reaktionen zeigten, die bei der ursprünglichen Reaktion
|