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Die Entwicklung der traumapädagogischen Standards
und zu bewerten. Dafür eignen sich spezielle Ethiktools wie z. B. das »Ethische-Interaktions-Modell«. Dies umfasst
»[…] mittels angewandter Ethik Strukturen und Prozesse innerhalb einer Organisation miteinander in Beziehung zu setzen. Auf diese Weise sollen moralische
und ethische Fragestellungen und Konflikte innerhalb einer Organisation möglichst systematisch erfasst und bearbeitet werden« (Graf 2014, S. 160).
Der Begriff der »Verantwortung« ist zum Leitbegriff der Ethik im 20. Jahrhundert
geworden, wobei Verantwortung in der Erziehungshilfe auf mehreren Ebenen anzusiedeln ist (Diakonie RWL 2011). Dazu gehören auch die Gesetzgeber, die Kostenträger, die öffentlichen und freien Träger der Erziehungshilfe sowie die Leitungsebene und auch die Mitarbeitenden.
Zusammenfassend stellt die Traumapädagogik, wie bereits erwähnt, die Grundhaltung als Fundament und Ausgangspunkt ihrer Pädagogik dar. Daraus erfolgen
Konkretionen für den pädagogischen Alltag, die in den traumapädagogischen
Standards beschrieben sind. Als eine der Grundhaltungen in den traumapädagogischen Standards wird der »Gute Grund« beschrieben. In ihr ist die Ebene des
grundsätzlichen Sinns für Handlungen begründet. Dies bedeutet, dass wir den
Kindern und auch Mitarbeiter*innen grundlegend eine positive Absicht im Handeln unterstellen. Den guten Grund eigener Handlungen zu erkennen, führt zu
einer höheren inneren Handlungssicherheit. Die Suche nach dem guten Grund
beim Gegenüber erhöht die Suche nach entwicklungsförderlichen Deutungen und
reduziert gleichzeitig die Negativdeutung, die in ihrer fatalsten Form zur Entwicklung von Feindbildern führen kann. »Zum Ethos einer pädagogischen Praxis gehört, von einer grundsätzlichen Sinnhaftigkeit von Handeln und Verhalten der
Kinder auszugehen« (Dörr 2013, S. 23). Diese Grundhaltung ist nicht einfach zu
operationalisieren und erfordert die stete Verständigung darüber, was dieser
Grundsatz im pädagogischen Alltag bedeutet.
Wenn beispielsweise ein Mädchen die Wirklichkeit anders darstellt und wahrnimmt als die Erwachsenen, bezeichnen wir dies im Allgemeinen als Lüge. In der
Regel wird Lügen als ein moralisch nicht richtiges Handeln bewertet. Wenn die
Pädagogin im Verständnis bleibt und davon ausgeht, dass der gute Grund für das
Handeln des Mädchens vielleicht Schutz, Vermeidung von Strafe und Selbstregulierung eigener Ängste ist, wird die Reaktion auf das Verhalten beziehungsstärkender ausfallen. In der Folge des Verstehens könnte es ein pädagogisches Ziel sein,
das Vertrauen des Mädchens innerhalb der pädagogischen Beziehung zu stärken,
sodass das Mädchen lernt, sich mit seiner wenn auch »brüchigen« Wirklichkeit
den Erwachsenen zukünftig mehr anzuvertrauen. Eine Leitfrage für die Reflexion
könnte lauten: Was können wir Fachkräfte tun, damit die Kinder angstfreier sein
können und sich entsprechend offener mitteilen und zeigen lernen?