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Rätselhafte Botschaften
rungstheorie von Laplanche (1988; 1996) an. Er legte damit eine Theorie vor, die
den Entstehungsprozess der psychischen Struktur eines Kindes im Rahmen der
Mutter-Kind-Beziehung erklärt. Wenngleich Laplanche einen universellen Konstitutionsprozess beschreibt, lässt sich mit diesem Modell besonders gut veranschaulichen, wie die Traumatisierung der Mutter bzw. der primären Bezugsperson
in den alltäglichen Interaktionen von Geburt an in die psychische Struktur des
Kindes eingeschrieben wird.
Laplanche beschreibt die anthropologische Grundsituation als »Urverführung«,
die mit dem Augenblick der Geburt einsetzt, indem der Säugling mit der Welt der
Erwachsenen, und das heißt insbesondere mit dem unbewussten Begehren der
Erwachsenen, konfrontiert wird. Von besonderer Bedeutung im Hinblick auf die
Entstehung des Unbewussten und seines Kerns, des Sexuellen, ist die Konfrontation mit dem unbewussten Begehren der Erwachsenen. Laplanche spricht in diesem
Zusammenhang von »rätselhaften Botschaften«. »Rätselhaft« sind sie für den
Säugling zum einen, weil er sie aufgrund seiner noch wenig ausgebildeten somatischen, kognitiven und affektiven Verhaltens- und Erlebensmöglichkeiten nur sehr
unzureichend verarbeiten kann; zum anderen sind sie aber auch für den Erwachsenen nicht zugänglich, »rätselhaft« aufgrund ihres unbewussten Gehalts. Dieser
letzte Punkt ist noch einmal zu betonen: In der Beziehung zum Kind werden unbewusste Fantasien angesprochen, die als rätselhafte Botschaften fungieren. Keinesfalls geht es dabei in konkretistischer Weise um sexuelle Handlungen. Die Konfrontation mit dem unbewussten Begehren des Erwachsenen schreibt sich in die
entstehende psychische Struktur des Säuglings ein. Laplanche nennt diesen Vorgang »Intromission« (Laplanche 1996): Es werden innere Fremdkörper eingeschrieben und damit der Kern des Unbewussten des Kindes gebildet.
Während Laplanche ein allgemeines Modell zur Entstehung der psychischen
Struktur konzipiert hat, eignet es sich hervorragend auch zur Beschreibung der
transgenerativen Weitergabe von Traumatisierungen. Die Traumatisierung der
Mutter findet einen Niederschlag in den rätselhaften Botschaften, die sie an das
Kind richtet. Sie schreibt sich daher unmittelbar in die erst im Entstehen begriffene psychische Struktur des Kindes ein. Die Niederschläge der Traumatisierung
können nicht hinreichend verarbeitet werden und bestehen als Fremdkörper in
der psychischen Struktur fort. Wie Laplanche dargelegt hat, versucht das Kind,
diese »rätselhaften Botschaften« zu entziffern und sie zu übersetzen, ihnen Sinn zu
verleihen. Dies geschieht im Verlauf der Lebensgeschichte in unterschiedlicher
Weise, von besonderer Bedeutung ist dabei die Nachträglichkeit. Nach diesem
Konzept werden Erfahrungen, Eindrücke und Erinnerungsspuren zu einem späteren Zeitpunkt aufgrund neuer Erfahrungen oder neu erreichter Entwicklungsstufen umgearbeitet; mit dieser Umarbeitung erhalten die früheren Erfahrungen
gleichzeitig neuen Sinn und neue psychische Wirksamkeit. Entscheidend ist dabei
die Auflösung linearer Zeitvorstellungen; frühere Erfahrungen werden demnach
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