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Trauma, Gesellschaft und Bewältigung
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al. 2014). Traditionelle und patriarchale Vorstellungen von Männlichkeit und
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Sexualität, ein homophobes gesellschaftliches Klima sowie das Tabu, über Mütter oder Frauen als Täterinnen zu sprechen, erschweren es besonders Jungen
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und Männern, ihre Erfahrungen als Opfer sexualisierter Gewalt zu akzeptieren
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(Gahleitner 2005). Dabei kann die öffentliche Aufmerksamkeit auch zur Aufklärung beitragen, wie die Debatte um sexualisierte Gewalt in Institutionen zeigt
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(DJI 2012).
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Schweigen, Tabu, Entwertung – gesellschaftliche Abwehrtendenzen
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Die gesellschaftliche aber auch die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit
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Trauma war und ist häufig geprägt von einer Entwertung der Opfer und deren
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Leiden, welche den ›Normalbürger*innen‹ als Schutz gegen eine Verunsicherung
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ihres basalen Sicherheitsgefühls und ihres Selbst- und Weltverständnisses dient,
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wie dies z. B. beim »blaming the victim« der Fall ist (Fischer 2023; Ottomeyer
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2011; Ryan 1971). Brisante gesellschaftliche Probleme werden häufig aus Gründen
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des Selbstschutzes verleugnet, da sie Angst und Scham auslösen – sie werden dadurch zu gesellschaftlichen Tabus (DJI 2012; Ottomeyer 2011). Die Offenlegung
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und persönliche Aufarbeitung traumatisierender Gewalt erfolgt ohnehin häufig
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zeitverzögert und konfliktreich. Gesellschaftliche Abwehrtendenzen wie Tabuisierung, Opferbeschuldigung und Mythenbildung verstärken bei den Opfern Schuldund Schamgefühle, Verstrickung sowie pathogene Verarbeitungsmuster (Gahleitner 2005).
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So wurden als ›traumatische Neurosen‹ bezeichnete psychische Leiden überlebender Soldaten des Ersten Weltkriegs mit zunehmender Dauer des Kriegs immer
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weniger anerkannt und die Betroffenen teils folterartigen Behandlungsmethoden
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unterzogen (Lamott/Lempa 2009). Auch die traumatischen Erlebnisse von Holocaust-Überlebenden fanden wenig Gehör in der Gesellschaft, nicht nur in
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Deutschland, sondern auch im Exil (Rieck 2009). Sowohl für die Gesellschaft als
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auch für die Wissenschaft kann von einer »historischen Traumavergessenheit«
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(Mühlleitner 2013, S. 146) gesprochen werden, die an kollektive Verdrängung und
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Verleugnung grenzt und die offene Auseinandersetzung mit traumatischen Erlebnissen erschwert hat.
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Ähnliche Tendenzen der Verdrängung und des Verschweigens werden von ehemaligen Heimkindern berichtet, die zwischen 1945 und den 1970er-Jahren in Fürsorgeeinrichtungen untergebracht und dort zum Teil massiver Gewalt ausgesetzt
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waren. Die ›Heimdebatte‹ ging großenteils nicht mit der erforderlichen Anerkennung und Unterstützung für die Betroffenen einher. Deren Leid und die langfristigen Folgen wurden immer wieder angezweifelt (Gahleitner 2009; Kappeler 2014).
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Auch der gesellschaftliche und fachliche Diskurs um sexualisierte Gewalt war von
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Beginn an spannungsgeladen. Es gab Widersprüche zwischen der Frauenbewe-
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