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Vernetzung Traumatherapie/Traumapädagogik
Komplex traumatisierte Kinder zeigen grundsätzlich starke Tendenzen zur Vermeidung. Aus Angst, von Affekten überflutet zu werden, wollen Kinder nicht mit
Unangenehmem konfrontiert werden, nicht über Konflikte reden oder sie szenisch oder in Bildern darstellen. Kinder mit dissoziativer Bewältigungsstrategie
können sich da­rüber hinaus unter Umständen in ihrer »Alltagspersönlichkeit«
nicht oder schlecht an bestimmte Ereignisse erinnern. Erlebtes kann manchmal
nur schwer oder gar nicht von ihnen in Sprache oder Spiel umgesetzt werden.
Überlässt man den Kindern weitgehend die Führung im therapeutischen Raum,
spielt das Kind unter Umständen an allem Schmerzhaften vorbei. Eine Linderung
des kindlichen Leidens bzw. ein Aufweichen der Symptomatik findet so häufig
nicht statt. Vor diesem Hintergrund ist es bei den betroffenen Kindern wichtig, die
heutigen Bezugspersonen stärker mit in die Kindersitzungen einzubeziehen.
Durch die Arbeit zu dritt kann teilweise auch psychoedukativ eine Brücke zwischen Therapie und Alltag gebaut werden.
Zusätzlich brauchen bei Dissoziation nicht nur das heutige Kind, sondern auch
massiv verängstigte, verlassene, »sich verloren fühlende« Innenanteile des Kindes
sichere Bindungsangebote im konkreten Lebensumfeld und die Erfahrung, gesehen,
gewollt, gemocht und »contained« zu werden. Gerade für sie ist die Bestätigung
wichtig, dass die »Welt heute« sicher für sie ist, keine Misshandlung oder andere
Gewalt­erfahrung mehr droht. In der Therapiesituation kann in der Konstellation zu
dritt erst ein gemeinsames Verständnis dafür entwickelt werden. Im weiteren therapeutischen Prozess kann das Kind dann mehr und mehr seine inneren Kleinkindanteile kennenlernen und lernen, mit diesen zu kommunizieren. Indem es diese und
ihre Entstehung anerkennt, wird es mehr und mehr in die Lage versetzt, die bei
Triggersituationen im Alltag anflutenden Affekte selbst zu regulieren.
Eine weitere Dimension in der Arbeit mit dissoziativen Kindern sind Täterintrojekte. In den Täterintrojekten spiegelt sich die erlebte Gewalt des Kindes wider.
Sie wirken zerstörerisch im Innen und Außen. Auch hier hat es sich bewährt, dem
Kind und heutigen Bezugspersonen gemeinsam Wissen über Täterintrojekte zu
vermitteln und diese im Kind gemeinsam zu eruieren. Das Kind selbst als auch
seine heutigen Bezugspersonen müssen verstehen, dass diese inneren Anteile in
Zeiten hoher innerer Not »geboren« wurden. Sie dienen der Abwehr von Angst
und Hilflosigkeit. Darüber hinaus helfen sie mit, dass Bindung an die Eltern bestehen bleiben kann (Peichl 2013/2021).
2. Traumaprozessieren
Traumaprozessieren kann dann und nur dann stattfinden, wenn das Kind ausreichend stabilisiert ist. Traumabearbeitung kann nur in »bits and pieces« geschehen, d. h. dann, wenn das Kind bereit ist, sich mit Traumainhalten zu konfrontieren, und auch dann nur in kleinen Portionen. Vielfach verdeutlichen Kinder