2026-001/documents/theory/diagnostics/handbuch-traumapaedagogik/pages/425.md

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So kann es gelingen
gerade auf, Übertragungen (Kessler i. d. B.), auch schwierige, zu erkennen. Diese Erkenntnis eröffnet neue Möglichkeiten. Es liegt in der Natur der Sache sie übertragen ihre Erfahrungen, z. B. vom Nicht-gesehen-Werden; von Erwachsenen, die nicht
zuhören etc., nun auch auf uns. Schwierige Übertragungen zu erkennen, vermindert
die Gefahr, in ein unwirksames Gegenagieren zu kommen. Unwirksames Gegenagieren ist nicht selten eine Gegenreaktion, in der Psychoanalyse eine als Gegenübertragung bekannten Dynamik. Es kann nicht übersehen werden, dass die Mädchen*
und Jungen* Gefühle, zum Teil heftige Gefühle, in den Pädagog*innen auslösen, die
den Inhalten der Gegenübertragung entsprechen. So können vermeidend oder
hochunsicher gebundene Kinder in uns, weil sie keine guten Erwachsenen erwarten, ein Gefühl der Nichtanerkennung auslösen. Störungswertig dissoziative Mädchen* und Jungen* können in der Gegenreaktion zu Lähmung oder zum Gegenteil,
zu Hyperaktivität führen. Gegenreaktionen sind nicht zu vermeiden (Weiß 2024,
S. 271ff.). Eine reflexive Haltung im KiWo-Team minimiert die Gefahr von Verstrickung und Handlungsunfähigkeit. Sie werden von den Kindern und Jugendlichen
Leidvolles hören, damit müssen sie umgehen können, denn Schmerz will gesehen
werden. Ein Wissen über eigene leidvolle Erfahrungen verhindert möglicherweise,
dass unsere Aufmerksamkeit von eigenem Leid gebunden ist. Das kann passieren,
deswegen sollten immer zwei oder drei Fachmenschen anwesend sein, die versorgen
oder übernehmen können. Eigene Wunden, eigene Brüche brauchen dann irgendwo ihren Platz, auch sie wollen gesehen werden.
Nicht weniger wichtig ist eine gute organisatorische Vorbereitung. Eine gute Personalausstattung sichert Kontinuität. Die Mädchen* und Jungen* sind meistens
sehr gespannt und erwartungsvoll, eine Absage aus Personalmangel wäre doppelt
bitter. So sind die Workshops in ihrer Bedeutung möglicherweise mit einer Gruppentherapie zu vergleichen. Es braucht Sicherheit für die Kinder und Jugendlichen; große Abstände verunsichern. Es braucht auch Sicherheit für die Pädagog*innen; hier helfen Ablaufpläne, spontan sein zu können, sobald es notwendig ist.
Eine offene Haltung alles kann sein, nichts muss und die Fähigkeit, individuell
auf Anliegen der Mädchen* und Jungen* eingehen zu können, vermittelt allen Beteiligten Sicherheit.
Eine Begrüßungsmappe kann ein Stück Sicherheit und Wertigkeit vermitteln.
Für Klarheit und Transparenz sorgen eine Absprache der Regeln und ein Überblick über den Tag: Themen, Essen, Bewegung, kreatives Gestalten und viel Spaß
und Freude. Die Inhalte beschreiben wir knapp und anschaulich (z. B. Puppenspiele etc.), immer wird etwas gebastelt, was die Kinder mitnehmen können, z. B.
ihr Inneres Team in einem Bilderrahmen zum Aufhängen, Lebkuchenmännchen
mit den eingezeichneten Körpergefühlen, der individuell gestaltete Traumfänger,
damit ich besser schlafen kann. Spaß und Freude erleichtern die Annahme der
schweren Themen, wir reden von einer Arbeitsspaßatmosphäre. Ausreichende
Versorgung ist zwingend. Kinder aus herausfordernden Lebensumständen regu-
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