33 lines
2.8 KiB
Markdown
33 lines
2.8 KiB
Markdown
354
|
|
|
|
Bindung und Trauma
|
|
|
|
Die Pädagog*innen bieten eine Beziehung an, die transparente, vorhersagbare,
|
|
verlässliche und haltgebende Strukturen und Elemente beinhaltet. »Den Kindern
|
|
und Jugendlichen wird erklärt, wie und weshalb sich die Pädagog*innen ihnen gegenüber verhalten« (BAG Traumapädagogik 2011, S. 16). Die Beziehungsgestaltung
|
|
ist individuell und orientiert sich am Bindungsmuster der Kinder und Jugendlichen. Ihre Bindungsbedürfnisse werden »analysiert und eine mögliche Versorgung
|
|
erarbeitet«. Ein flexibler Umgang mit Nähe und Distanz ist von besonderer Bedeutung. Die Pädagog*innen »entwickeln eine Sensibilität bezüglich der Beziehungsgestaltung mit den Kindern und Jugendlichen« (BAG TP 2011, S. 15).
|
|
Bowlby (2011) formuliert fünf therapeutische Hauptaufgaben für die Arbeit mit
|
|
bindungsunsicheren Menschen. Wilma Weiß beschreibt analog dazu fünf pädagogische Aufgaben:
|
|
• »Die Pädagog*in muss als sichere Basis verfügbar sein.
|
|
• Die Pädagog*in muss die Kinder und Jugendlichen zu mentaler Exploration,
|
|
zum Reden über unbewusste Voreingenommenheiten, Übertragungen alter
|
|
Bindungsinhalte ermutigen.
|
|
• Die Kinder und Jugendlichen können die Beziehung zu den Pädagog*innen
|
|
überprüfen
|
|
• und aktuelle Wahrnehmungen und Gefühle mit Erfahrungen mit den Eltern
|
|
und anderen Bezugspersonen von früher vergleichen.
|
|
• Möglicherweise wird dann die Erkenntnis erleichtert, dass die alten Bindungsmodelle für die Gestaltung des zukünftigen Lebens unangemessen sind bzw.
|
|
sein werden« (Weiß 2024, S. 128).
|
|
Bindungstraumatisierung ist ein Zustand der Einsamkeit. So ist es ein zentrales
|
|
Anliegen bindungsorientierter Arbeit, die Mädchen und Jungen spüren und erfahren zu lassen, dass sie nicht alleine sind, dass sie die Fähigkeiten in sich tragen,
|
|
Verbindungen einzugehen und Wahlmöglichkeiten haben, um sich emotional sicherer und stabiler zu fühlen (Weiß2024).
|
|
Roland Schleiffer unterscheidet in der Kommunikation von bindungsbelasteten
|
|
Kindern und Jugendlichen zwischen der bindungsabwertenden und der bindungsverstrickten Kommunikation. Bei der bindungsabwertenden Kommunikation ziehen sich Kinder und Jugendliche auf sich selbst zurück oder sie äußern keine bzw.
|
|
selten Bedürfnisse nach Nähe, Unterstützung, Trost. Sie zeigen sich sehr unnahbar
|
|
und pseudo-autonom. Bei der bindungsverstrickten Kommunikation beschreibt
|
|
Schleifer Kinder und Jugendliche, die sich anhänglich und ängstlich und mit intensiven Gefühlen von Trauer sowie Enttäuschung über Verluste zeigen, die schnell
|
|
resignieren oder die aus einer großen Beziehungsnähe schnell eine feindselige Distanz oder Unerreichbarkeit entwickeln (Schleiffer 2009).
|
|
Diese Verhaltensweisen bindungstraumatisierter Menschen sind Ausdruck und
|
|
Anpassung an angstvolle, verunsichernde Erfahrungen. Bindungsorientierte Päd-
|