2026-001/documents/theory/diagnostics/handbuch-traumapaedagogik/pages/330.md

28 lines
2.5 KiB
Markdown
Raw Blame History

This file contains ambiguous Unicode characters

This file contains Unicode characters that might be confused with other characters. If you think that this is intentional, you can safely ignore this warning. Use the Escape button to reveal them.

330
Traumapädagogische Angebote
Traumapädagogische Angebote
Ihre Bedeutung in den Hilfen zur Erziehung für die
Fallsteuerung durch das Jugendamt
Harald Britze und Marie Fingerhut
Einleitung
Traumapädagogische Angebote können die notwendige und geeignete Hilfestellung für junge Menschen in den Hilfen zur Erziehung und der Eingliederungshilfe
sein. Diese Erkenntnis über den seit langer Zeit erprobten methodischen Ansatz
ist unzweifelhaft und auch anerkannt. Für die Mitarbeitenden in den Allgemeinen
Sozialen Diensten der kommunalen Jugendämter stellt sich jedoch immer wieder
die Frage, wann diese Form der Unterstützung auszuwählen ist und wie eine solche Hilfe inhaltlich gesteuert werden kann. Denn klar ist auch, dass nicht jede
beim Jugendamt hilfesuchenden Familie bzw. jedem hilfesuchenden jungen Menschen mit solch besonders intensiven und langwierigen Interventionen adäquat
geholfen werden kann. Keinesfalls darf der seit Jahren andauernde Trend hin zum
Auf- und Ausbau von heilpädagogischen und therapeutischen Plätzen in der Heimerziehung dazu führen, dass lediglich aufgrund der bestehenden Angebotsstruktur traumapädagogisch arbeitende Einrichtungen für eine Belegung durch junge
Menschen mit mannigfaltigen Auffälligkeiten in Betracht kommen.
»Ein Trauma ist ein Ereignis, das mit den im Moment des Auftretens zur Verfügung stehenden Bewältigungsmöglichkeiten nicht bewältigt werden kann« (Rahm
2015, S. 5). Allein diese Minimaldefinition weist vor dem Hintergrund der Auswahl geeigneter Hilfeangebote darauf hin, dass belastende und traumatisierende
Erlebnisse junger Menschen in deren Persönlichkeitsentwicklung und Ausdrucksform oftmals zu Handlungsweisen führen, die letztendlich Schutz bieten weil adäquate Bewältigungsmechanismen nicht zur Verfügung stehen. Auch wenn die damit verbundenen Verhaltensweisen oftmals ungewöhnlich erscheinen und sich als
wenig sozial adäquat erweisen, sichern sie den jungen Menschen erst einmal das
Überleben. Hierin liegen auch Fähigkeiten und Stärken, mit denen im Verlauf einer
Betreuung gearbeitet werden kann und die es im Rahmen der Hilfeplanung festzuhalten gilt. Unabhängig davon ist jedoch ganz besonders einer dauerhaften und
belastbaren Bindung größte Bedeutung beizumessen (Gahleitner 2014, S. 370f.).
Für die betreuenden Fachkräfte gilt es, die unterschiedlichen Verhaltensweisen auszuhalten und dem jungen Menschen gleichzeitig zu vermitteln, ausgehalten zu werden. Dies gilt auch, obwohl diese Prozesse oftmals für alle Beteiligten sehr belastend