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Kinder- und Jugendpsychiatrie: ein möglichst sicherer Ort durch traumapädagogische Haltungen
kann somit als Verlust der Selbstregulation verstanden werden. Gerade frühkindlich traumatisierte Menschen sind dann in ihrer Entwicklung des Stressverarbeitungssystems gehindert und können in Stresssituationen stark blockieren, ohne
die Möglichkeit auf das innere Beruhigungssystem zurückgreifen zu können
(Weiß 2016). Aggressive Impulse können nicht mehr zurückgehalten werden bzw.
die emotionale Anspannung wächst derart, dass Kontrollmöglichkeiten erschöpft
sind (Schmid et al. 2015).
Zwang und freiheitseinschränkende Maßnahmen sind auf den ersten Blick sehr
gegensätzlich zu traumasensiblen Konzepten, welche die Partizipations- und Mit­
entscheidungsmöglichkeit als unabdingbare Komponenten der Zusammenarbeit
deklarieren. Aus einer verstehenden Versorgungshaltung heraus sind diese Maßnahmen jedoch sehr kongruent als eine Regulationshilfe von außen für die jungen
Menschen zu verstehen, die im höchsten Maße haltlos sind und sich verzweifelt in
dysfunktionalen Regulationsversuchen verlieren. Dadurch sind solche Maßnahmen kein Anzeichen des Nichteinverstandenseins, sondern vielmehr ein Signal an
die jungen Menschen, dass die Fachpersonen für ihre Bedürfnisse und Notlagen
emotional sorgen und Halt geben (Lang 2023). Dies zeigt sehr anschaulich, dass
die biografischen guten Gründe der jungen Menschen weiterhin anerkannt und
gesehen werden können. Gleichzeitig zeigt es auch, dass die Verhaltensweisen,
welche daraus entstehen und in der Gegenwart in Selbst- und Fremdgefährdungen
münden, begrenzt werden müssen. Das gesamte Team muss eine einheitliche Haltung im Umgang mit Zwangsmaßnahmen entwickeln und sich auf den Einsatz
derer vorbereiten (Schmid et al. 2014). Ein festgelegtes Krisenprozedere bei Zwangsmaßnahmen wie Fixierung, Beherrschung schmerzfreier, sicherere Haltetechniken, Medikation, Sitzwache, Isolation etc. ist unabdingbar, um sich in der Umsetzung sicher zu sein. Es erfordert seitens der Fachpersonen eine sensible, klare und
einfühlsame Vorgehensweise, welche als Begleitung und Unterstützung dient. Um
die Sensibilität im Umgang mit Krisen und Grenzverletzungen gewähren zu können, muss die Indikation und Anwendung von Zwangsmaßnahmen bei akuter
Selbst- und Fremdgefährdung im Vorfeld einer psychiatrischen Behandlung antizipiert und der konkrete Ablauf mit den jungen Menschen und Familien besprochen werden (Kahmen et al. 2022; Schmid et al. 2015). Dabei steht der Schutz und
das Wohl des jungen Menschen grundsätzlich im Zentrum des Vorgehens, ebenfalls bei der Nachbearbeitung und der Reaktion des Fachpersonals (Koch/Kahmen
2023). Entscheidungsprozesse sollen in Form von Dokumentationen, Analysen
von alternativen Problemlösungen, Nachbesprechungen (mit dem jungen Menschen, (elterlicher) Bezugspersonen und im Team), Analyse der auslösenden Situation (Trigger, Schaffung Narrativ) sowie eine nachfolgende Erarbeitung von den
Krisen und Optimierung von Stress- und Emotionsregulationsstrategien im engen
Austausch zwischen den Disziplinen nachvollzogen werden können (Kahmen et
al. 2022; Schmid et al. 2014).