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Literatur
Zwangsmigration und Traumatisierung
Kinder und Jugendliche aus Kriegs- und Krisengebieten und
die Aufgabe der Pädagogik
David Zimmermann
Pädagogische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, die neu und unter erheblichem Leid nach Deutschland gelangen, stellt Fachkräfte und Institutionen vor
spezifische Herausforderungen, denn jene zwangsmigrierten jungen Menschen
bringen ihre lebensgeschichtliche Erfahrung mit in die Schule oder Jugendhilfeeinrichtung. Sie haben deshalb einen Anspruch auf angepasste Lern- und Beziehungsangebote. Wie Lindner (2024) mit Bezug auf Aussagen der Berliner Senatsverwaltung feststellt, ist dieser Anspruch vielerorts gleichwohl nicht eingelöst. Es
fehlen sowohl Freizeit- als auch schulische Angebote, teilweise sind Unterrichtsangebote in großen Erstaufnahmeeinrichtungen installiert worden, was der Integration dieser Kinder und Jugendlichen wenig zuträglich ist.
Zwangsmigration ist im Vergleich zum enger gefassten Terminus »Flucht« begrifflich offener, immer jedoch durch einen unverkennbaren wirtschaftlichen,
politischen oder sozialen Druck gekennzeichnet, der ein Verlassen der Heimat
erzwingt (Becker 2024). Etwa die Hälfte der über 100 Millionen Menschen, die
ihre Heimat zwangsweise verlassen mussten, sind Kinder und Jugendliche unter
18 Jahren (UNHCR 2024). Auch die fast immer unsicheren Bedingungen während der Wanderungsbewegung sowie die nur selten sicheren Aufenthaltsmöglichkeiten im Aufnahmeland sind zentrale Kennzeichen von Zwangsmigration
(Zimmermann 2012). Demnach sind nicht nur Erfahrungen in den Herkunftsländern, sondern ebenso die Rahmenbedingungen während der Migration und
schließlich in den Aufnahmeländern regelhaft hochgradig belastend, insbesondere für Kinder und Jugendliche (Hauser/Andreatta 2013). Die Entwicklung eines
individuellen traumatischen Prozesses bei den betroffenen jungen Menschen ist
deshalb eine naheliegende Schlussfolgerung (Morland et al. 2013). Gleichwohl
wird die teils vorschnelle und generalisierte Nutzung der Traumakategorie für
Kinder und Jugendliche mit Zwangsmigrationsgeschichte auch kritisiert (Schneider/Schlachzig/Metzner 2022). Aus pädagogischer und soziologischer Perspektive
wird herausgearbeitet, dass mit der vermeintlich anerkennenden Zuweisung einer
individuellen Traumatisierung meist die Verleugnung sozialer Prozesse verbunden ist, beispielsweise die Bedeutung rassistischer Anrufung oder der Verweigerung von Aufenthaltsrechten (Brenssell 2024).
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