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Literatur
Traumapädagogische Familienhilfe
Alltagsentlastendes Arbeiten in traumatisierten Systemen
Jürgen Reinshagen und Martina Krauth
Die Versorgung von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen, welche
Traumata erlebt haben, unterliegt in der ambulanten als auch stationären Jugendhilfe besonderen fachlichen Ansprüchen, um entstandenen Folgeerscheinungen
angemessen zu begegnen. Andernfalls ist das Scheitern von Hilfsangeboten häufig
vorprogrammiert. Die Begründung für das Scheitern eines Hilfsangebotes wird in
der Regel immer noch am negativ bewerteten Verhalten des Symptomträgers innerhalb der Familie festgemacht. Dieses Verhalten und Agieren als Überlebensstrategien und normale Reaktionen auf als außergewöhnlich, bedrohlich Erlebtes
zu deuten, ist ein erster konstruktiver und unabdingbarer Schritt, um gemeinsam
Lösungen zu entwickeln, die eine Alltagsentlastung aller Beteiligten zum Ziel hat.
Es gibt keine Kinder, Jugendliche oder junge Erwachsene, deren Verhalten eine
ambulante oder stationäre Begleitung in der Jugendhilfe unmöglich macht. Vielmehr ist es so, dass es bei einem Abbruch einer Hilfe den Profis in der Regel nicht
gelungen ist, die Lebensleistung der von Trauma betroffenen Menschen zu erkennen und als solche zu bewerten. Aus der Anerkennung der Lebensleistung resultiert eine für die Beziehung grundlegend notwendige Haltung, die es möglich
macht, entlastende Veränderung dialogisch zu entwickeln. Bereits die Einrichtung
einer Hilfe nach dem SGB VIII beinhaltet im formalen Verfahren eine Bewertung,
die sich negativ auf den Hilfeverlauf auswirken kann und die Chance auf Entlastung eines Familiensystems im Alltag verringert.
Um eine Hilfe nach dem SGB VIII zu bekommen, besteht die formale Notwendigkeit, ein minderjähriges Familienmitglied in den Fokus eines von der Norm
abweichenden, negativ bewerteten Verhaltens, zu heben. Die Begründungen einer
pädagogischen Unterstützung heißen Schulverweigerung, Aggression, Selbstverletzung, sexualisiertes Verhalten und vieles mehr. Wenig bis keinen Raum erhält
das Verständnis und die Haltung, dass die betroffenen Menschen ihre Verhaltensmuster vor dem Hintergrund extrem belastender Erfahrungen entwickelt haben,
um die Aufgaben zu bewältigen, die ihnen der Alltag stellt.
Es geht um einen gemeinsamen Weg des Verstehens und Selbstverstehens,
was nicht immer Verständnis in Form von Akzeptanz bedeutet. Der systemische
Blick betrachtet Menschen im Kontext ihrer sozialen Bezüge. Die Betrachtung
und Offenlegung der Wechselwirkungen zwischen den im System agierenden
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