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Sekundäre Traumatisierung als psychosozialer Prozess
Ein störungsdefiniertes Verständnis sekundärer Traumatisierung lenkt einseitig
die Aufmerksamkeit auf die individuellen Pädagog*innen. Sie werden pathologisiert, indem ihre Belastungsreaktionen nicht über den auslösenden Kontext definiert werden, sondern über die möglichen Symptome, die aus der alltäglichen Beschäftigung mit den Folgen psychosozialer und soziopolitischer Gewalt resultieren
können.
Psychosoziale Traumaarbeit geschieht aber immer in einem sozialen Umfeld
und ist in soziale Prozesse eingebunden. Die langfristigen Folgen gewalttätiger
Überwältigung von Kindern schließen auch diejenigen ein, die sich in ihrem beruflichen Alltag damit befassen. »Deren berufsbedingte Belastungen sowie ihr
Umgang damit sind dementsprechend Teil dieses Geschehens. Diese Sicht, die
auch die Reaktionen von Professionellen einschließt, verändert die Suchrichtung
für das Verstehen sekundärer Prozesse« (Jegodtka 2013, S. 91). Erforderlich sind
Erklärungsansätze, welche die Dynamik, die sich infolge von Trauma und Gewalt
entfaltet, im Rahmen sozialer und gesellschaftlicher Prozesse verstehen.
Sekundäre Traumatisierung als psychosozialer Prozess
Die Auseinandersetzung mit den weitreichenden sozialen Folgen traumatischer
Prozesse und Möglichkeiten der Prävention sekundärer Traumatisierung sind
auch im Rahmen traumapädagogischer Praxis und Forschung ein relevantes Thema, welches zunehmend in den Fokus rückt (Weiß 2006; Bausum et al. 2009;
Schulze/Loch/Gahleitner 2012).
Eine Sichtung von Fachveröffentlichungen zum Themenkomplex »Traumapä­
dagogik« zeigt, dass die Reflexion der individuellen Reaktionen von Fachkräften
auf sekundäre Traumaexposition in die Theorietradition der psychosozialen Traumaforschung eingebettet ist. Das zugrundeliegende traumapädagogische Verständnis ist ein Paradigma, welches von der gegenseitigen Durchdringung individueller und sozialer Prozesse ausgeht (Hantke/Görges 2012). Psychosoziale
»Traumaarbeit ist vor allem Selbstbemächtigung in sozialen Beziehungen und bedeutet, der politischen Natur von Leid Rechnung zu tragen, ohne psychologische
Dimensionen zu verleugnen« (Weiß 2013).
Die Pädagog*innen werden im Rahmen dieses Verständnisses als Teil des pädagogischen Prozesses verstanden (Lang et al. 2013, S. 127ff.). »Im traumapädagogischen Kontext steht die pädagogische Persönlichkeit daher mit im Fokus der
Betrachtung, denn ein geschützter Entwicklungsraum des Kindes braucht einen
geschützten Handlungsraum der PädagogInnen« (Kühn 2009, S. 33). Von diesem
Paradigma gerahmt wird zur Erklärung von Belastungsreaktionen auf weitere Erklärungsansätze Bezug genommen:
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