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Sekundäre Traumatisierung
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Mitwelt bezeichnet, verweigert einen Rahmen, innerhalb dessen Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen sicheres Sein möglich ist. Wird Gewalt ausgeübt, erweist
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sich für diejenigen, die überwältigt werden, die Mitwelt als Gegenwelt. Jean Améry
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bringt dies nachvollziehbar zum Ausdruck, indem er rückblickend sein Erleben von
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Folter beschreibt: »Dass der Mitmensch als Gegenmensch erfahren wurde, bleibt als
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gestauter Schrecken im Gefolterten liegen« (Améry 1966, S. 70).
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Kinder und Jugendliche, in denen gestauter Schrecken liegen blieb, haben guten
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Grund, mit Misstrauen, Wut und Angst vor Menschen zu reagieren. Ihre Erfahrung spricht dafür! Einige erlebten Kriegsgewalt, mussten mit oder ohne ihre Angehörigen fliehen; andere wurden in ihrem sozialen Umfeld misshandelt, vernachlässigt, sexuell ausgebeutet. Pädagog*innen, Sozialarbeiter*innen, Pfleger*innen,
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Lehrer*innen und Angehörige weiterer psychosozialer Berufe hören das, was Kinder und Jugendliche über ihre Erfahrungen berichten. Das Engagement für die
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Ziele der Arbeit bedeutet eine hohe Belastung der Mitarbeiter*innen durch wiederkehrende »Sekundäre Traumaexposition. Gemeint ist hiermit, dass Kolleg*innen in sozialen Berufen durch Aussagen der ihnen anvertrauten Kinder oder Jugendlichen, durch Bilder, durch Berichte von begleitenden Erwachsenen, durch
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Narben an ihren Körpern, durch Berichte in Akten von deren extremen Erfahrungen überflutet werden, ohne selbst unmittelbare Zeugen der Gewalt gewesen zu
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sein (Chrestman 2002, S. 60; Jegodtka 2013, S. 75–94).
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Yassin1 malt gern. Zumeist dominieren Darstellungen von Kriegshandlungen
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seine Bilder. Er selbst flüchtete vor drei Jahren ohne seine Familie. Der siebenjährige Paul lebte bis zum Zeitpunkt seiner Inobhutnahme bei seinen Eltern. Er blieb
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wiederholt tagelang sich selbst überlassen. Mira schreit nachts, weil sie immer wieder träumt, dass ihr älterer Bruder sie mit dem Messer bedroht. Über Lisa ist in
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ihrer Akte zu lesen, dass und wie Familienmitglieder sie quälten. Sekundäre Traumaexposition ist für Kolleg*innen, die mit traumatisierten Menschen arbeiten, ein
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fester Bestandteil ihrer Arbeit.
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Zu dem Gehörten, Gesehenen oder Gelesenen kommt die Konfrontation mit
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den individuellen und interaktionellen Reaktionen der jungen Klient*innen. Das
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oft extreme Verhalten der Kinder und Jugendlichen strengt an. Es schwankt zwischen den Polen aggressiver Impulsivität, Weglaufen und Erstarrung: Yassin
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spricht selten, kann aber unvermittelt in Zorn geraten. Paul hortet Nahrungsmittel. Mira verletzt sich und Lisa verweigert den Schulbesuch, beschimpft und bedroht andere Jugendliche ebenso wie die Erwachsenen, die ihren Alltag begleiten.
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Das Wissen um die traumatisierenden Erfahrungen der anvertrauten jungen Menschen und das Erleben der oft weitreichenden Folgen von Gewalterfahrungen gehören zu dem, was im pädagogischen Setting heraus- und oft überfordert.
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Yassin und alle anderen Menschen, die ich im Rahmen dieses Artikels vorstelle, tragen im realen
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Leben einen anderen Namen. Um ihre Anonymität sicherzustellen, habe ich dort, wo notwendig,
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biografische Angaben so verändert, dass der Sinnzusammenhang dennoch erhalten blieb.
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