2026-001/documents/theory/diagnostics/handbuch-traumapaedagogik/pages/166.md

33 lines
2.8 KiB
Markdown
Raw Blame History

This file contains invisible Unicode characters

This file contains invisible Unicode characters that are indistinguishable to humans but may be processed differently by a computer. If you think that this is intentional, you can safely ignore this warning. Use the Escape button to reveal them.

This file contains Unicode characters that might be confused with other characters. If you think that this is intentional, you can safely ignore this warning. Use the Escape button to reveal them.

166
Bindungstheorie in ihrer Bedeutung für die Traumapädagogik
(Mallinckrodt 2001). In der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen spielt dabei
häufig auch eine gelungene Einbettung in tertiäre Netzwerke und Kooperationszusammenhänge, z. B. in Kinder- und Jugendhilfestrukturen, eine bedeutsame Rolle
(vgl. Gahleitner/Homfeldt 2012; Gahleitner/Homfeldt in diesem Band).
Die Praxis …
Psychosoziale Fachkräfte verfügen in der Praxis über einen immensen Schatz an
fachrelevanten Erfahrungen, häufig fällt es jedoch aufgrund des komplexen Arbeitsalltages schwer, das erworbene Erfahrungswissen systematisch an Konzepte
zurückzubinden und selbstbewusst auf die eigene Berufsidentität zurückzugreifen
(Gahleitner/Schulze 2009).
Deutlich wurde: Es geht nicht nur um Anerkennung in der Dyade, sondern um
die Herstellung von »wertschätzenden Verhältnissen« im gesamten Umfeld. Insbesondere bereits früh in desolate Verhältnisse eingebundene Kinder und Jugendliche sind sichtlich existenziell auf soziale Ressourcen angewiesen, die als positive
Gegenhorizonte eine stabile psychosoziale Geborgenheit verbürgen könnten
(Keupp 1997). »Dabei können vor allem Erzieher und andere wichtige Personen
auch außerhalb der engen Kernfamilie eine entscheidende Rolle spielen« (Grossmann/Grossmann 2001/2014, S. 51). Der unumstritten wichtigste Schutzfaktor
sind sogenannte »schützende Insel­erfahrungen« (Gahleitner 2005, S. 63). Wie
aber stellt man solche »schützenden Insel­erfahrungen« her? Psychosoziale Fachkräfte tun dies tagtäglich häufig intuitiv. Es gibt aber auch gute theoretische Erklärungsmodelle, warum dieser Aspekt in der Entwicklung und zum Schutz von
Kindern so wichtig ist. Werden bindungstheoretisch betrachtet emotional
wichtige Erlebnissequenzen bereits früh von mindestens einer Bezugsperson empathisch unterstützt, so werden »innere Gefühlszustände […] für das Kind auf der
Ebene bewusster sprachlicher Diskurse verfügbar « (Grossmann/Grossmann
2012/2023, S. 448).
Für diese Entwicklung braucht das durch traumatische Erfahrungen belastete
Kind möglichst viele »korrigierende emotionale Erfahrungen« (Cremerius 1979,
S. 588590; vgl. bereits Alexander/French 1946, S. 6670). »Selbst wenn die frühen Bindungserfahrungen erheblich negativ waren, können dennoch korrigierende weil transparente und verlässliche Bindungsangebote dazu beitragen, dass
Kinder […] Vertrauensfähigkeit und ein sicheres Bindungsverhalten entwickeln
lernen« (Weiß 2024, S. 126).
Gelungene Beziehungssituationen gleichgültig ob in einer Therapie, einer
Heimsituation oder einer Pflegestelle werden auf diese Weise Stück für Stück zu
einem grundlegenden Prinzip der emotionalen, sozialen und kognitiven Entwicklung: Man nennt diese Prozesse auch »Mentalisierungsprozesse« (Fonagy et