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Bindungstheorie im »post-bowlbyischen Zeitalter«
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Die oben dargestellte (emotionale) »Abwesenheit« von Bindungspersonen behindert dagegen unbefangenes »Explorieren« und damit die unbeeinträchtigte
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Entwicklung von emotionalen, kognitiven und sozialen Fähigkeiten eines Kindes.
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Über die Interaktion mit Bindungspersonen, über sog. »Mentalisierungsprozesse«, entwickelt der Säugling so allmählich »Arbeitsmodelle« zum Umgang mit sich
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und mit anderen (Fonagy et al. 2003/2004; Main/Kaplan/Cassidy 1985), sog. Bindungstypen und später Bindungsrepräsentationen (vgl. Ainsworth et al. 2015).
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Bindungstheorie im »post-bowlbyischen Zeitalter«
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Bowlbys (1951/1973; 1969/2018) ursprünglich durchaus komplex angelegte Theorie, die entwicklungspsychologisches und klinisch-psychoanalytisches Wissen mit
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evolutionsbiologischem und systemischem Denken verknüpfte, verengte sich in
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der Rezeption eine Zeit lang stark auf die Mutter-Kind-Dyade und die ersten Lebensjahre. Dies führte vielfach zu der Kritik an der Bindungstheorie, zu individuenzentriert, ethologisch und normorientiert ausgerichtet zu sein (insbesondere
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Beck-Gernsheim 1981). Heute hat sich die Bindungstheorie jedoch stark »sozial
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geöffnet«, aktuelle Diskussionen einbezogen (aktuell Drieschner 2011) und lässt
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sich auch als Entwicklungstheorie im Sinne breiterer Interaktionserfahrungen unter Einbezug gesellschaftlicher und historischer Perspektiven verstehen. Denn gerade in der Traumapädagogik hat man es nie mit isolierten Individuen zu tun,
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sondern benötigt eine deutlich erweiterte Perspektive. Es geht um die »person-in-environment« (Dorfman 1996), um ein »Gefüge psychischer Sicherheit«
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(Grossmann/Grossmann 2012/2023).
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Gelungene oder weniger gelungene Interaktionen werden auf diese Weise zu
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einem grundlegenden Organisationsprinzip der gesamten weiteren Entwicklung –
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lebenslang. Es überrascht daher nicht, dass auch in der Forschung immer wieder
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deutlich wurde, dass »emotional korrektive Erfahrungen« den Erfolg professioneller Begleitung maßgeblich beeinflussen (Alexander/French 1946; Cremerius 1979;
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Grawe 2004; Crits-Christoph/Conolly Gibbons 2021). Als auslösende Faktoren für
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die Herstellung und Aufrechterhaltung dieser »emotional korrektiven Erfahrungen« gelten nach diesen Ergebnissen die »unausgesprochene Affektabstimmung«
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sowie das »affektive Klima« (Brisch 2022, S. 142) im Sinne eines »Mikrokosmos
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von Feinabstimmungen« (Rahm 2005). Aktuellen Forschungsergebnissen zufolge
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sind aus dieser Perspektive jedoch neben der Bindungstheorie insbesondere Netzwerktheorien und Theorien sozialer Unterstützung heranzuziehen (Laireiter 2009;
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Nestmann 2010; Röhrle 2001). Eine darauf ausgerichtete Intervention mit Kindern und Jugendlichen arbeitet daher nicht nur an der Beziehungsdyade, sondern
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gestaltet nach dem Sozialitätsprinzip durch diese Beziehung hindurch das vergangene, gegenwärtige und zukünftige Beziehungsumfeld der Klient*innen
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