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Nutzen der traumapädagogischen Haltungen
der Gruppen und der jeweiligen einzelnen Bewohner*innen (Schmid 2013). Bei
der Einführung von traumapädagogischen Konzepten ist die Individualisierung
der Pädagogik oft ein Diskussionspunkt, da es die Mitarbeitenden anfänglich verunsichert, wie sie die individuellen Bedürfnisse mit den Erfordernissen der Gruppenpädagogik in Einklang bringen können. Nicht selten besteht die Vorstellung,
dass jede Sonderregelung für eine*n Jugendliche*n das ganze Konzept der Wohngruppe ins Wanken bringen könnte. In der Regel verstehen die Jugendlichen aber
sehr gut, dass sie unterschiedlich sind und divergierende pädagogische Zugänge
benötigen. Dieses individualisierte Vorgehen muss nur ausführlich und transparent gegenüber allen Beteiligten begründet werden und es sollten Techniken angewendet werden, die das persönliche Wohlbefinden in der Gruppe sowohl zwischen
den Jugendlichen als auch den Fachkräften regelmäßig reflektieren (Bausum
2013). Die Voraussetzung für positive Gruppenerfahrungen sind unbelastete Beziehungserfahrungen zu einzelnen Menschen und eine ausreichende Selbstregulation. Letztlich führen gerade positive Beziehungserfahrungen, auch zu Gruppen,
zu einer stabileren Identität und einer höheren sozialen Teilhabe (Schmid 2020).
Mit dieser Frage des Gerechtigkeitsverständnisses haben sich viele Ethiker*innen schon intensiv auseinandergesetzt, weil in Gesellschaften oft diskutiert wird,
wie Güter und Privilegien verteilt werden sollen. Ist es gerecht, wenn die Dinge
gleichmäßig verteilt sind, sodass jede*r das Gleiche bekommt? Oder ist es gerecht,
wenn Benachteiligungen ausgeglichen oder besondere Leistungen höher vergütet
werden? Viele Ethiker*innen ein Überblick findet sich bei Schumacher (2013)
unterscheiden zwischen einer »Equalitynorm« im Gleichheitsprinzip und einer
»Equitynorm«, dem Beitragsprinzip, vermittelt durch das Bedürfnisprinzip. Die
Frage ist folglich, ob alle das Gleiche bekommen oder jede*r das, was er*sie benötigt. Geht es also um eine gerechte Verteilung oder einen gerechten Ausgleich? Bei
der Anwendung der gleichen Regel für alle Bewohner*innen bestehen zwei Hauptprobleme. Erstens sind gerade die in ihrer Selbststeuerung und Beziehungsfähigkeit beeinträchtigen Kinder und Jugendlichen mit sehr starren Gruppenregeln oft
überfordert. Sie sind besonders auf eine wertschätzende, transparente und liebevolle Beziehungsgestaltung angewiesen, die von Sanktionen und Drohungen leicht
untergraben werden. Zweitens werden ohne individualisierte Zugänge die Regeln
nicht personalisiert und haben somit oft keine direkte Bedeutung mehr für die
Beziehungen. Weil sie nicht zwischen zwei Menschen, die sich füreinander interessieren, ausgehandelt wurden, werden diese Regeln auch weniger internalisiert
(Schmid 2018; Schmid/Lang 2013).
Wegen der Sicherstellung der Hilfe für jene besonders belasteten Kinder und
Jugendliche, die aus unterschiedlichen Gründen mehr Unterstützung zur Teilhabe
an unserer Gesellschaft brauchen, kann auf einen individualisierten Zugang und
einen Ausgleich der Defizite in einer beziehungsorientierten Pädagogik nicht verzichtet werden. Im Sinne eines Ansporns für Heranwachsende kann es auch sinn-