2026-001/documents/theory/diagnostics/einfuehrung-sozialisationstheorie/pages/516.md

1.9 KiB
Raw Blame History

Beispiel der Fähigkeit, sich an die Schulregeln anzupassen, so zu sprechen wie ein Mitglied des akademischen Milieus, die Ausstattung eines guten Zuhauses zu haben, Urlaub im Ausland machen zu können , dann ist das ein Zeichen von ungleicher Privilegierung oder, umgekehrt, ungleicher Benachteiligung. Dann muss damit angefangen werden, die Bedingungen der Benachteiligten zu verbessern, damit diese Rückstände sich nicht in die Ungleichheit der Lebenschancen lebenslang übersetzen. Eine typische Lösungsstrategie dafür, die Lebenschancen der Benachteiligten anzupassen, lässt aber das normierte System der Anforderungen unangetastet. Zensuren und Zeugnisse entscheiden aber nachhaltig über die weitere Zukunft junger Menschen. Das heißt, Forschung arbeitet wie im Moment, wenn sie nur an den Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler ansetzt, lediglich an der Oberfläche. Darunter liegende Ungleichheiten werden nicht nur vergrößert, sondern zementieret. Lehrerinnen und Lehrer müssen zum Beispiel ihre Bewertungspraxis kaum hinterfragen. Eine Anpassung an eine sensible Balancierung zwischen Herkunftsvoraussetzungen und schulischen Leistungspotenzialen schaffen nur gut ausgebildete Lehrkräfte, die in ihren Schule Rückhalt für eine solche Praxis erhalten. Selbst wenn Lehrkräften nun die Fertigkeit vermittelt würde, Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler zu erkennen, die aus benachteiligten Milieus kommen, wird auch das irgendwann nur zu einer Feigenblattpolitik. Auch so können Ungleichheiten nicht verringert werden, wenn Barrieren im Hintergrund unangetastet bleiben, die durch eine finanzielle Verteilungspraxis aufgestellt werden und die in soziale und räumliche Trennungen der Gesellschaft führen. Der lange Arm der sozialen Herkunft ist ein zentrales Ergebnis der Forschung zur Wirkung von Ungleichheiten, die mit der Lebensweise und den zur Verfügung stehenden Lebenschancen verbunden sind. Der