2026-001/documents/theory/diagnostics/einfuehrung-sozialisationstheorie/pages/423.md

1.8 KiB
Raw Blame History

Beschränkungen aufgehoben. Die Netzwerke eröffnen Kommunikationsmöglichkeiten, mit denen räumliche Entfernungen überbrückt und Unterschiede der sozialen Herkunft, des biologischen Alters und der Sprache überwunden werden können. Durch digitale Medien ergeben sich also bisher ungeahnte soziale Kontaktreichweiten, die eine Bereicherung der Persönlichkeitsentwicklung darstellen und viele Anregungen für eine Erweiterung des Erfahrungsradius bereithalten. Die problematische Seite dieser Entwicklung ist, dass sich viele Menschen dem Druck ausgesetzt sehen, ein möglichst breites und großes Netzwerk von vielfältigsten Kontakten zu entwickeln und aufrechtzuerhalten, das den eigenen Bedürfnissen nicht notwendigerweise entspricht. Wer sich in den Netzwerken mit innerer Unsicherheit und ungefestigter Identität bewegt, kann in kritische Kommunikationssituationen und Bindungen hineingezogen werden. Dazu gehören die Ausgrenzung und Abwertung von teilnehmenden Personen bis hin zu aggressiven Beleidigungen und Angriffen (Mobbing), die Anbahnung von Geschäftskontakten, bei denen in betrügerischer Absicht falsche Personenangaben gemacht werden, und der Missbrauch des Netzwerks für erotische und sexuelle Kontakte. Es ist offensichtlich, dass sich hieraus Gefahren für die weitere Persönlichkeitsentwicklung ergeben können. Der Einfluss des Freizeit- und Konsumsektors

Virtuelle Netzwerke können aber auch eine limitierende (also beschränkende) Rolle für den direkten, sozusagen »analogen« Kontakt zu Freundinnen und Freunden haben. In der »Childrens Worlds+« Studie der Bertelsmann Stiftung berichten noch rund 80 Prozent der 8-jährigen, dass sie ausreichend Zeit für Freundinnen und Freunde haben, während dieser Wert mit zunehmendem Alter sinkt (Andresen/Wilmes/Möller 2019, S. 41). Es sind noch 70