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Kränkung des Menschen. Kopernikus, Darwin, Freud und schließlich die Erkenntnis, dass der Mensch »nur« ein Erfahrungswesen ist. Was können Genetik, Epigenetik und Neurowissenschaften leisten?
Der Blick auf die ideologisch überformte »Anlage-UmweltKontroverse« sollte eine seriöse Rezeption indes nicht überschatten. Schaut man auf die wissenschaftlich getragene Debatte zum Beitrag »neuer« Erkenntnisse aus Genetik, Epigenetik und Neurowissenschaften, dann ist der Ertrag beachtlich. Im Anschluss an die entwicklungspsychologischen Theorien beispielsweise können Erkenntnisse der neurowissenschaftlichen Forschung Einfluss auf das Verständnis von Sozialisation nehmen. Noch befindet sich dieser Forschungszweig stark in Bewegung und es ist auch noch keine zusammenhängende widerspruchsfreie Kenntnisbasis zu identifizieren. Es ist aber eindeutig, dass mit dem neurowissenschaftlichen Ansatz die körperliche und psychische Komponente der Persönlichkeitsentwicklung eine Form der Beachtung findet, die über die in den soziologischen und psychologischen Theorien bisher zum Ausdruck gebrachte deutlich hinausgeht. Insgesamt lassen sich in die Sammelbezeichnung »Neurowissenschaften« alle Disziplinen einordnen, die sich mit der Erforschung des Nervensystems und des Gehirns beschäftigen. Dazu gehören Neurobiologie und -physiologie ebenso wie Hirnforschung im engeren Sinne, Entwicklungs- und Evolutionsbiologie sowie Neuropharmakologie. Wegen ihrer Fokussierung auf die Wechselwirkungen zwischen Hirnaktivitäten, Verhalten und Umwelteinflüssen ergänzen sie die bisher vorgestellten psychologischen Theorien und sind für die Sozialisationstheorie von großem Interesse. Lange Zeit hatte die Sozialisationsforschung befürchtet, die Neurobiologie würde ebenfalls einseitig die genetische