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traumatische Krisen, Entscheidungskrisen oder Krisen durch Muße. Oevermann selbst beschreibt den besonderen Wert eines soziologischen Zugangs in der Sozialisationsforschung als Vermittlung der individuellen und der Handlungsperspektive (die beobachtbar und erfragbar ist) sowie des Kontextwissens (über das in der Regel nur bzw. besser die Forschenden verfügen): »Die soziologische Sozialisationsforschung hat eine große Menge von Untersuchungsergebnissen produziert, aber die Versuche einer genuin soziologischen Interpretation der Daten nehmen sich demgegenüber recht kläglich aus. Soweit darin Erklärungsversuche vorgenommen werden, reduzieren sie sich in der Regel auf die Applikation psychologischer Hypothesen. Das trifft nicht nur auf den offenen Reduktionismus der verhaltenstheoretischen Position zu, sondern gilt auch für jene Versuche – etwa im Rahmen rollentheoretischer Formulierungen –, in denen psychoanalytische oder kognitivistische Entwicklungstheorien herangezogen werden. Soziale Faktoren werden als kontingente Randbedingungen für die Wirkungsweise psychischer Mechanismen, aber nicht als konstitutive Strukturen in Betracht gezogen; die Soziologie degeneriert dabei zum hilfswissenschaftlichen Datenlieferanten der Psychologie.« (Oevermann et al. 1976, S. 274) Das Plädoyers Oevermanns ist hier nicht leicht zu verstehen, es ist aber eines, das für die Integration gesellschaftlicher Rahmenbedingungen eintritt. Oevermann macht damit eine interessante Denkbewegung, die für die Sozialisationsforschung prägend werden wird. Diese plädiert dafür, die Handlungsorientierungen und Motivationen der einzelnen Akteure ernst zu nehmen, weil sie der Ausgangspunkt für menschliches Handeln sind. Oevermann zeigt auf, dass Subjektstrukturen entscheidend sind für die Ausrichtung der Sozialisationsforschung.