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Raw Blame History

konfrontiert, die von den Gesellschaftsmitgliedern vorangegangener Generationen konstruiert worden sind. Den »Novizen« bleibt nichts anderes übrig, als sich mit den Werten und Bedeutungszuschreibungen auseinanderzusetzen, die sie vorfinden und die ihnen von ihren Eltern sowie Lehrerinnen und Lehrern vermittelt werden. Unvermeidlich kommt es dabei zu einer Verinnerlichung dieser Vorgaben. Dieser Prozess ist umso intensiver, je mehr die bisherigen »Wirklichkeitskonstruktionen« der etablierten Gesellschaftsmitglieder in habitualisierte und institutionalisierte Formen geronnen sind, also etwa über Familien und Schulen vermittelt werden. Die neuen Gesellschaftsmitglieder sind aber ganz im Sinne von Mead Konstrukteure ihrer eigenen Realität. Zwar müssen sie sich mit der ihnen nahegelegten Wirklichkeitskonstruktion auseinandersetzen, doch haben sie die Möglichkeit, ihrerseits eine eigene Konstruktion der Wirklichkeit zu erstellen. Als interaktiv handelnde Individuen konstruieren sie Gegenmodelle zu den bisher existierenden Werten und bieten neuartige Interpretationen der sozialen Realität an. Sie mischen sich auf diesem Weg in die Weiterentwicklung der sozialen Strukturen der Gesellschaft ein und entwerfen ihre eigenen Gesellschaftsmodelle (Berger/Luckmann 1969). Der Ansatz von Berger und Luckmann ist in einem knappen Entwurf formuliert, hat in der soziologischen Diskussion aber Spuren hinterlassen. Aus mehreren Gründen ist der Ansatz zur gesellschaftlichen Konstruktion der Wirklichkeit eine Besonderheit, weil hier ohne sich an einzelne große Theorietraditionen zu binden (und deswegen vielleicht auch so leicht zugänglich ist) ein Sachverhalt hervorgehoben wird, der so etwas wie die Gewöhnung und Institutionalisierung sozialer Praktiken zu fassen versucht. Hermann Veith (2015) fasst das als Zusammenspiel von »Institutionalisierung, Legitimation