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# Schulpsychologischer Bericht (13.01.2025)
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Source document: [Schulpsychologischer_Bericht.pdf](../../documents/fallunterlagen/Schulpsychologischer_Bericht.pdf)
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## Datum und Kontext
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Datum des Berichts: 13.01.2025, ausgestellt durch den Schulpsychologischen Dienst (USDV), Kanton Aargau. Es handelt sich um eine **Erstbeurteilung einer Behinderung und eines verstärkten Bedarfs gemäss § 2a VSBF**. Die Anmeldung zur Erstbeurteilung erfolgte am 08.03.2024 durch Mutter und Schule. Leny besucht die 5. Klasse der Primarstufe.
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## Diagnose
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Aufgrund langanhaltender und sich wiederholender häuslicher Gewalterfahrungen sowie differentialdiagnostischer Ergebnisse wird eine **Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)** diagnostiziert. Typische Symptome sind körperliche Unruhe (Überregung), Intrusionen (aufdrängende Gedanken) und Vermeidungsverhalten. Die Behinderungskategorie lautet **06 – erhebliche soziale Beeinträchtigung**; ein **verstärkter Bedarf** wird bejaht. Die Gültigkeitsdauer der Beurteilung ist bis **31.07.2026**.
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## Entwicklungsverlauf und familiäres Umfeld
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Lenys bisheriges Leben ist durch häusliche Gewalt von Lebenspartnern der Kindsmutter gegenüber ihr und den Kindern geprägt. Alle Partnerschaften der Kindsmutter waren durch Gewalt gekennzeichnet; aus einer dritten Partnerschaft ist ein viertes Kind entstanden. Leny versuchte von klein auf, die Kindsmutter zu schützen, was ihn einem eigenen Gefährdungsrisiko aussetzt. Die Kindsmutter braucht Begleitung, damit Situationen gestaltet und Abmachungen eingehalten werden können.
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## Aktueller Stand (Schule und Verhalten)
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Leny fühlt sich in der sozialen Gruppe seiner Klasse wohl und ist sozial gut aufgehoben. Im Unterricht kann er ohne ständige Begleitung nicht arbeiten: Er steht auf, geht umher und sucht Kontakt zu Mitschülerinnen und Mitschülern. Wenn er zur Arbeit kommt, leistet er altersgemäss gut. Aufmerksamkeit und Ausdauer sind dauernd auffällig; sein Verhalten ist stark aussenorientiert und in Gedanken latent stets bei der Kindsmutter.
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## Ressourcen
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Leny hat eine durchschnittliche Intelligenz, unauffälliges Kontaktverhalten und ist sozialemotional durchschnittlich entwickelt. In Situationen, in denen er sich von zugewandten Personen aufgehoben fühlt, bleibt er trotz Müdigkeit und Schwierigkeiten ausdauernd und konzentriert. Der Ausblick hält fest: Gelingt es, die Folgen der Traumatisierung zu mildern, kann er sein altersgemässes Potenzial zur Entwicklung von Selbstwirksamkeit und Selbstzutrauen deutlich erweitern.
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## Probleme / Beeinträchtigungen
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Das Lernen ist deutlich unterdurchschnittlich, das Gedächtnis leicht unterdurchschnittlich. Die Aufmerksamkeit ist stark beeinträchtigt (im Rahmen einer PTBS zu verstehen), emotionale Funktionen sind stark durch familiäre Geschehnisse beeinflusst. Die Fokussierung gelingt ohne enge Begleitung nicht, tägliche Routinen können ohne Begleitung nicht aufrechterhalten werden. Leny versucht aktiv, die Kindsmutter zu schützen, und geht dabei ein eigenes Sicherheitsrisiko ein.
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## Empfehlungen / Förderbedarf
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Als unterstützende Massnahme im professionellen Kontext wird eine **Assistenz** empfohlen, die direkt mit Leny arbeitet. Im familiären Kontext sind **erweitertes familiäres Umfeld, Beistandschaft und Sofortberatung** als unterstützende Massnahmen aufgeführt. Die Bildungs- und Förderziele umfassen: Aufmerksamkeit fokussieren, Informationen erwerben, Stress und psychische Anforderungen handhaben, Familienbeziehungen und Eltern-Kind-Beziehung stärken sowie Selbstreflexion, Selbstständigkeit und Eigenständigkeit im Schulalltag entwickeln.
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## Rechtliche Grundlage
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Der Bericht basiert auf **§ 2a VSBF** (Verordnung über Schulung und Förderung bei Behinderung, Kanton Aargau). Das Standardisierte Abklärungsverfahren (SAV) wurde zur Planung und Umsetzung passender Fördermassnahmen angewendet. Die Beurteilungskategorie 06 (erhebliche soziale Beeinträchtigung) wurde bestätigt, verstärkter Bedarf bejaht.
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