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Die familiäre Konstellation von Intimität, Kontinuität,
Langzeitperspektive und Traditionsbildung birgt ganz besondere
Chancen und Risiken in sich. Emotionale Nähe fördert Liebe,
aber auch Gewalt; tägliche Gemeinsamkeit fördert Vertrauen,
aber auch Ausbeutbarkeit; körperliche Intimität fördert die
positive Erfahrung des eigenen Körpers, macht aber auch
schutzlos; Loyalitätsbindungen markieren die Familie als sichere
Heimat, aber sie engen auch ein und verhindern Widerstand
gegen Übergriffe anderer Familienmitglieder. Für die
Misshandlung und Vernachlässigung von Kindern ist das in dem
System Familie angelegte Machtgefälle zwischen Eltern und
Kindern ein wesentlicher Faktor. Vor diesem Hintergrund ist es
nicht verwunderlich, dass über 80 % aller sexuellen
Gewalttaten an Kindern und Jugendlichen im Familien- und
engeren Bekanntenkreis stattfinden. Diese Doppelstruktur der
Familie
verweist
auch
auf
die
besonderen
Beziehungsanforderungen, die das Familiensystem an alle
Mitglieder stellt. Sie macht auch verständlich, dass so viele
Beziehungen an dem Balanceakt zwischen Nähe und Distanz,
Liebe und Kontrolle, Sexualität und Erotik, Rationalität und
Emotionalität, Abhängigkeit und Unabhängigkeit scheitern. Ob
er gelingt, hängt von einem Wechselspiel zwischen
familieninternen Ressourcen, situativen und kontextuellen
Bedingungen ab: Familien sind zu unterschiedlichen Zeiten bei
unterschiedlichen Umweltanforderungen auch unterschiedlich
gefährdet, die Balance zu verlieren.
Die Familienmitglieder erhalten und verändern ihr System in
sozialen Räumen; werden sie aufgegeben, z. B. durch Trennung
oder Umzug, kann das zur Destabilisierung des Systems
beitragen (vgl. Gerber 1980).
Wir unterscheiden familiäre Binnenräume und erweiterte soziale
Räume.
Familiäre Binnenräume: z. B. die Wohnung als Darstellung
der familiären Grenze zur äußeren Umwelt, die zugleich