2026-001/documents/theory/diagnostics/systemische-modelle-soziale-arbeit/pages/046.md

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Gefühl der Sicherheit und Kontinuität herzustellen. Wir etablieren eine
„Als-ob-Kommunikation“ und versuchen in deren Rahmen, das
Verhalten der anderen mental vorwegzunehmen und uns in unserem
Verhalten prophylaktisch darauf einzustellen. Der Begründer des
„Symbolischen Interaktionismus“, George Herbert Mead (1973), hat
diese
Struktur
der
Antizipation
im
Rahmen
seiner
sozialpsychologischen Rollentheorie herausgearbeitet.
Trotz dieser Versuche bleibt unser kommunikatives Handeln
letztlich unbestimmbar, denn wir können nicht in den Köpfen der
anderen lesen. Wir berühren uns mit unseren kommunikativen
Anfragen; ob wir uns treffen und den Wünschen der anderen
entsprechend antworten, bleibt unsicher. Luhmann nennt diesen
Sachverhalt „Kontingenz“10. Diese Unbestimmbarkeit geht von allen
Partnerinnen in der kommunikativen Situation aus und ist daher
wechselseitig. In Luhmann Begrifflichkeit handelt es sich deshalb um
eine „doppelte Kontingenz“ (Luhmann, zit. in Ludewig 1992, S. 97).
Die Sozialarbeiterin kann deshalb nicht davon ausgehen, dass ihre
Auftraggeberin bzw. Adressatin das tut, was sie von ihr erwartet; sie
muss sich immer wieder neu um deren Bereitschaft zur Kooperation
bemühen. Das entspricht der modernen Beschreibung von Sozialer
Arbeit, Beratung und Therapie als einer Dienstleistung.