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WR Jugendhilfe 1 05.book Seite 285 Mittwoch, 14. September 2005 7:25 19
12. Jugendhilfeplanung
übereinstimmen und keine unabhängigen Gründe für unser Handeln haben?«
Im Folgenden soll auf zwei fachliche Orientierungspunkte für die
Gestaltung von Jugendhilfeplanungen ausführlicher eingegangen
werden3: zum einen auf die Bedeutung von Partizipation und kommunikativer Verständigung, zum anderen auf die Veränderung von
Jugendhilfeorganisationen.
2.1 Die Bedeutung von Partizipation und
kommunikativer Verständigung
Während freien Trägern bereits durch das KJHG weitgehende Beteiligungsrechte an der Jugendhilfeplanung zugestanden werden (vgl.
§ 80 Abs. 3 SGB VIII), ist die Beteiligung von Adressatinnen oder
Fachkräften der Jugendhilfe rechtlich weit weniger klar und verbindlich geregelt und weitgehend dem Willen des jeweiligen öffentlichen
Trägers der Jugendhilfe überlassen. Aus fachlichen Gründen ist aber
ihre Beteiligung an Planungsprozessen von zentraler Bedeutung:
• Fachkräfte der Jugendhilfe erwerben über ihre Arbeit eine Fülle von
Kenntnissen über Nutzerinnen und ihre Lebenswelten und entwickeln auch unabhängig von Planungsprozessen Ideen und Konzepte
zur Verbesserung der Angebote. Außerdem sind sie es, die die Ergebnisse der Planung in ihrer Arbeit umsetzen und dafür entsprechend
überzeugt und gewonnen werden müssen.
• Das Wissen von Zielgruppen und Nutzerinnen über ihre Bedürfnisse, Probleme, Ressourcen, Bewältigungsstrategien etc. ist ein wichtiges Korrektiv für die »blinden Flecken« in der Wahrnehmung der
Profis und für ihre Eigeninteressen, die notwendige Veränderungen
blockieren können. Außerdem ist die Wirksamkeit von Angeboten
und Maßnahmen stark abhängig von ihrer Passung in Bezug auf die
Bedürfnisse ihrer Nutzerinnen.
So wichtig eine partizipative Gestaltung von Planungsprozessen ist,
so schwierig ist es, Formen gelingender Partizipation in der Praxis
umzusetzen. Denn gelingende Partizipation ist im Grunde als oft
konfliktreicher kollektiver Lernprozess, an dem unterschiedlichste
Systeme beteiligt sind, zu verstehen, der etablierte Machtstrukturen,
3 Andere wichtige fachliche Orientierungspunkte sind insbesondere das Prinzip der Geschlechterdifferenzierung (d. h., bei der Gestaltung von Planungen die Geschlechterfrage
mit zu reflektieren und die Praxis weiterzuentwickeln im Sinne einer Förderung der
Gleichberechtigung von Mädchen und Jungen) sowie das Prinzip der Sozialraumorientierung.
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