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WR Jugendhilfe 1 05.book Seite 251 Mittwoch, 14. September 2005 7:25 19
- Aufsuchende Familientherapie als ambulante Hilfe zur Erziehung
• Matthias (geb. 1980) hat eine Schreinerlehre absolviert und besucht jetzt die Meisterschule. Er arbeitet derzeit in Vaters Betrieb mit, den er bald übernehmen soll. Nach großen Konflikten mit der Mutter aufgrund von Nachstellungen ihrerseits (anonyme Anrufe bei der Freundin, Abhören des Telefons, Unterbinden von Freundschaften etc.) zog Matthias nach seinem Wehrdienst zum Vater in die untere Wohnung. Seither ist der Kontakt zwischen Matthias und seiner Mutter abgebrochen. Für ihn sei das »Kapitel Mutter« abgeschlossen. Er wohnt jetzt mit seiner Freundin am Ort in einer eigenen Wohnung zusammen. • Karin (geb. 1986) besucht nun, nach ihrem Hauptschulabschluss, die Realschule; sie möchte danach Kinderkrankenschwester lernen. Aufgrund ihres geringen Selbstwertgefühls unterzog sie sich etwa zwei Jahre lang einer ambulanten Therapie. Nach Aussage der Mutter sollte Karin lernen, »nicht immer die Schuld bei anderen zu suchen«. Ende 2000 wurde die Therapie abgebrochen, da sich der erwünschte Erfolg nicht einstellte und Karin sich weiteren Gesprächen verweigerte. Sie leide unter dem häufigen Streit zu Hause. Hierbei seien oft Kleinigkeiten der Auslöser, und die Stimmung in der Familie könne von einer Minute zur anderen umschlagen. Karin habe Kontakt zum Vater, mehr aber zu ihrer Schwester Tatjana. Dies sei jeweils Anlass zum Streit mit der Mutter, welcher schnell eskaliere. • Elena (geb. 1987) ist – nach Angaben aller Familienmitglieder – recht angepasst. Ihr Ziel sei es, mit allen Familienmitgliedern gut auszukommen. Sie wolle sich nicht für eine Seite entscheiden. Tatjana und Karin sowie Michael und Matthias verstehen sich sehr gut – sie dagegen sitze »zwischen allen Stühlen«. Zum Vater habe sie keinen Kontakt, da sie keine Konflikte mit der Mutter möchte. Zum Reden habe sie eigentlich niemanden. Sobald sie mit einem in der Familie gut auskomme, sei ein anderer beleidigt. Elena ist in derselben Klasse wie Karin; sie möchte ebenfalls Kinderkrankenschwester lernen oder eventuell das Abitur machen. Sie leidet seit April 1998 an einer DiabetesErkrankung. • Michael (geb. 1988) besucht die Hauptschule. Was seine Geschwister betrifft, so versteht er sich besonders gut mit Matthias. Er wolle weiterhin bei seiner Mutter wohnen bleiben, aber auch Kontakt zu seinem Vater haben. Meist gebe es großen Streit mit der Mutter, wenn er bei Vater ist oder war. Er wünsche sich, dass es zu Hause weniger Streit gebe. Immer wieder eskaliere es zwischen ihm und seiner Mutter. In einer solchen Situation kam es zu dem oben erwähnten Suizidversuch mit anschließenden Aufenthalt in der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Nach Aussagen der anderen Familienmitglieder habe Michael auch Schulprobleme und wenig Freunde, u. a. aufgrund seines Übergewichtes. Nach Angaben der Mutter schläft Mi-
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