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236 Maria und ihre Freundin tanzen gerne. In den Räumen der Wohngruppe machen sie laute Musik. Sie ziehen sich sehr körperbetont an, sie tanzen mit einem knappen Oberteil. Während Maria sich nach dem Tanzen eine Jacke überzieht, provoziert ihre Freundin die Reaktion der Pädagog*innen und der anwesenden Jungen.

Wichtige Schritte auf dem Wege der Wiederaneignung oder der bejahenden Entdeckung des eigenen Körpers sind die Wahrnehmung seiner Signale und das Experimentieren mit dem Körper. Dazu eignen sich geschlechtsspezifische Angebote wie Tanzen, Sport, Schminken, Krafttraining. Eine Vielzahl von sexualpädagogischen Einrichtungen und Medien erleichtert die Erörterung von sexuellen Normen. Doch sollen Körperlichkeit und Sexualität, Öffnung von Rollenverhalten und körperliche Selbstbestimmung immer auch Gegenstand der Alltagspädagogik sein. Sexuelle Bildung beinhaltet auch Räume, in denen Erfahrungen mit selbstbestimmter Sexualität gesammelt werden können: Maria probiert ihre Sexualität aus. Zaghaft beginnt sie eine sexuelle Beziehung mit einer Mitbewohnerin. In der Wohngruppe wird Homosexualität thematisiert. Maria schläft mit Jungen und mit Mädchen, das Geschlecht scheint ihr egal zu sein. Es ginge ihr um den Menschen. Maria wechselt ihre sexuellen Beziehungen häufig, sie ist auf der Suche.

Eine Stigmatisierung oder gar Sanktionierung ist kontraproduktiv. Ein Angebot der Reflexion, wenn sie denn möchte, kann als Unterstützung ihrer sexuellen Bildung hilfreich sein. Möglicherweise sind in Ausnahmefällen zeitweise rigide Grenzen nötig. Aber auch hier ist zu bedenken: die Möglichkeiten der Mädchen und Jungen, in einem noch relativ geschützten Rahmen sexuelle Selbstbestimmung zu lernen, werden so verhindert. Die Tabuisierung von Sexualität nutzt möglicherweise Täter und Täterinnen. Zudem führe diese auch zur sexuellen Unsicherheit (Kavemann et al. 2016, S. 10). Sexuelle Bildung erleichtert den Mädchen und Jungen und den Pädagog*innen, auf sexuelle Grenzüberschreitungen durch Gleichaltrige oder durch Erwachsene aufmerksam zu machen.