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1980 wurde das posttraumatische Syndrom in das offizielle amerikanische Handbuch seelischer Erkrankungen „Diagnostisches und Statistisches Manual Psychischer Störungen → DSM-III“ aufgenommen. Etwa zeitgleich erweiterte der Psychoanalytiker Keilson 1979 in seiner Untersuchung zum Schicksal jüdischer Kriegswaisen den Traumadiskurs um den Begriff der traumatischen Sequenzen. Er unterschied drei traumatische Sequenzen:
- Die deutsche Besetzung der Niederlande mit dem beginnenden Terror
- Die direkte Verfolgung
- Die Nachkriegszeit, d. h. die Zeit nach den unmittelbaren traumatischen Ereignissen. Und machte auf die Bedeutung der Zeit ‚danach‘ aufmerksam. Dass das Trauma aus unterschiedlichen Bedingungen in der Zeit danach doch nicht verarbeitet werden kann, sei ein wesentlicher Teil der traumatischen Erfahrung, sodass diese Zeitspanne „[…] von vielen als die eingreifendste und schmerzlichste ihres Lebens bezeichnet wurde.“ (Keilson 1979, S. 58)
4.3
Sexuelle Traumata gegen Frauen und Kinder
Seit Mitte der 1970er Jahre wurden in den USA unter dem Einfluss der Frauenbewegung viele Forschungsarbeiten über sexuellen Missbrauch gegen Frauen verfasst. Die Frauenbewegung brachte das Thema, das Freud und das Patriarchat siebzig Jahre verdrängen konnten, wieder ins Bewusstsein. Die Soziologin Diana Russell kam in einer epidemiologischen Umfrage von 930 nach dem Zufallsprinzip ausgewählten Frauen zu erschreckenden Ergebnissen: Jede vierte Frau war vergewaltigt worden, jede dritte Frau war in der Kindheit sexuell missbraucht worden (vgl. Russell 1984). Untersuchungen zu den psychologischen Folgen von Vergewaltigungen zeigten die gleichen Symptome, die man bei Kriegsveteranen beobachtet hatte, so Judith L. Herman 1992 nach zwanzig Jahren