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Gewalt gegen Kinder käme zwar vor, aber selten. Das neurotische junge Mädchen aber will seine eigenen sexuellen Wünsche nicht akzeptieren und erfindet sexuelle Gewalt in der Kindheit, um diese Wünsche zu verdecken. Freud glaubte den Frauen nicht mehr die reale Erfahrung des Missbrauchs: „Als ich dann doch erkennen musste, diese Verführungsszenen seien niemals vorgefallen, seien nur Phantasien, die meine Patienten erdichtet, die ich ihnen vielleicht selbst aufgedrängt hatte, war ich eine Zeitlang ratlos“ (Freud 1925, GW XIV, S. 59). Zwar sei es nicht angemessen – so Judith Lewis Herman – diesen Widerruf als Akt persönlicher Feigheit und Skandal zu kritisieren, allerdings „[…] nahm Freuds Zurückweisung der Traumatheorie immer mehr eine seltsam dogmatische Qualität an. […] Mit unbeirrbarer Hartnäckigkeit, die ihn zu immer verwickelteren Theorien zwang, bestand er darauf, dass Frauen sich die missbräuchlichen sexuellen Begegnungen, über die sie klagten, einbildeten und wünschten.“ (Herman 1993, S. 32) Später zweifelte Sigmund Freud selbst an seinem Widerruf, dennoch prägte dieser lange Zeit die psychoanalytische Theoriebildung (Masson 1986). Mit seinem Widerruf brach die Hysterieforschung, die erste Traumaforschung, zusammen. Zu Gunsten der pathogenen Wirkungen von Fantasien wurden die pathogenen Wirkungen des realen Traumas vernachlässigt, Frauen als unter- oder fehlentwickelt bezeichnet. In Folge scheiterte auch der ungarische Psychiater Sandor Ferenczi 1932 auf dem Psychoanalytischen Kongress in Wiesbaden mit der These vom realen Ursprung des Traumas. In seinem Vortrag Die Sprachverwirrung zwischen dem Erwachsenen und dem Kind. Die Sprache der Zärtlichkeit und die Sprache der Leidenschaft beschrieb er die Hilflosigkeit des Kindes angesichts der Konfrontation mit einem Erwachsenen, der die Verletzlichkeit des Kindes und sein Bedürfnis nach Zuneigung missbraucht. Kinder erfahren Hilflosigkeit und Terror, ihr hauptsächlicher Abwehrmechanismus sei die ‚Identifikation mit dem Aggressor‘ (Ferenczi 1933/1972, S. 308 f.). Dies kostete ihn seine Freundschaft mit Sigmund Freud, er wurde geschnitten und lächerlich gemacht (vgl. Masson 1986). Die Doktrin des intrapsychischen Konflikts und der kindlichen Sexualverdrängung hatten – so van