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Antwort lautet daher: Wer auf die Subjekte schaut, muss also die Strukturen nicht unbedingt vernachlässigen.
4.1
Die Entwicklung der Modellvorstellung produktiver Realitätsverarbeitung
Diese Antwort hat aber auch Folgen. Die Idee einer umfassenden, interdisziplinär ausgerichteten Sozialisationstheorie lebt nicht nur rückblickend von der analytischen Doppelperspektive der Erklärungseinheiten »Gesellschaft« und »Individuum«. Sie muss auch weiterhin beide Perspektiven beinhalten, am Günstigsten in einer einzelnen, zusammenhängenden Theorie. »Gesellschaft« und »Individuum« sind hierbei in gewisser Weise gleichzusetzen mit der Struktur- und der Subjektorientierung in der Sozialisationsforschung. Struktur- und Subjekt- bzw. Vergesellschaftungs- und Individuationseinflüsse stehen in unserer Perspektive in einem Verhältnis der wechselseitigen Abhängigkeit und werden als gleichgewichtig verstanden. Diese »Dialektik von Vergesellschaftung und Individuation« (hierzu bereits Hurrelmann 1983) stellt die Vermittlung der zentralen Analyseebenen Individuum und Gesellschaft, also Subjekt und Struktur bzw. Person und Umwelt, in den Mittelpunkt. Als konzeptioneller Grundsatz gilt etwas, das in der sozialisationstheoretischen Debatte bereits Anfang der 1980er Jahre sehr passend von dem Sozialisationsforscher Dieter Geulen (1938–2017) formuliert wurde: »Das Subjekt verhält sich gegenüber der Realität teils aktiv gestaltend, teils ausweichend bzw. selektiv suchend, teils auch nur passiv hinnehmend. Als Folge dieser Tätigkeit verändert sich zunächst die reale Situation des Subjekts, wobei anzunehmen ist, daß die sich real herstellende neue Situation nicht vollständig und