2026-001/documents/theory/diagnostics/handbuch-kinder-und-haeusliche-gewalt/pages/430.md

3.4 KiB
Raw History

Primäre Prävention von Partnergewalt: Ein entwicklungsökologisches Modell

433

[Ž—•’Œ‘”Ž’œ”Š–™Š—Ž—ȱ £ž›ȱ §›”ž—ȱ Ž›ȱ ŽœŽ••œŒ‘Š•’Œ‘Ž—ȱ ‹•Ž‘—ž—ȱ von Partnergewalt haben weltweit eine erhebliche Verbreitung erfahren. In einer Reihe von Veröffentlichungen werden verschiedene Kampagnen detailliert beschrieben (z.B. Klein et al. 1997, Heiliger & Hoffmann 1998). Die verwendeten Botschaften unterscheiden sich im Einzelnen, häufig wird aber beispielsweise versucht zu vermitteln, Partnergewalt sei inakzeptabel, sei ein Verbrechen, sei nicht durch die Umstände entschuldbar, sei gefährlich und schade nicht nur dem Opfer, sondern auch dem Täter. In der Regel wird über Hilfsmöglichkeiten für Täter, Opfer und Personen aus dem Umfeld informiert. Stellenweise wird auch für Geschlechtergerechtigkeit und positive Formen der Konfliktlösung geworben. Kampagnen können sich an eine geœŠ–Žȱ•Š—Žœ Ž’Žȱ˜Ž›ȱ•˜”Š•Žȱ[Ž—•’Œ‘”Ž’ȱ Ž—Ž—ǰȱ˜Ž›ȱЋޛȱŠ—ȱ‹Žœ’––Žȱ Gruppen (z.B. die „black cab“ Kampagne für Taxifahrer in London oder eine Kampagne für arabisch-stämmige Familien in den USA: Kulwicki & Miller 1999). Die Formulierung und Auswahl bestimmter Botschaften wird in der Regel mit Erfahrungswerten begründet (z.B. Ghez 2001), nur selten werden Kampagneninhalte direkt aus vorangegangenen Untersuchungen der Zielgruppe abgeleitet (z.B. Fawcett et al. 1999). Die bislang vorliegenden Evaluationen deuten darauf hin, dass Kampagnen gegen Partnergewalt erfolgreich darin sein können öffentliche Zustimmung und Unterstützung, auch von Männern, zu generieren. Weiterhin wird die vor allem für die sekundäre Prävention wichtige lokale Vernetzung von Einrichtungen und Institutionen, die sich mit dem Thema Partnergewalt beschäftigen, häufig erheblich verbessert. Veränderungen in den Einstellungen der Bevölkerung gegenüber Partnergewalt nach Kampagnen wurden bislang nur sehr selten untersucht, einzelne Berichte (z.B. Gadomski et al. 2001) deuten aber auf positive Effekte hin. Ein nachweisbarer Brückenschlag zum tatsächlichen Verhalten, also zur Anzahl neuer Fälle von Partnergewalt, liegt bislang nicht vor. Wie bei Kampagnen gegen sexuellen Missbrauch zeigt sich aber ein deutlicher sekundärpräventiver Effekt, d.h. bei Interventions- und Beratungsstellen werden Fälle von Partnergewalt neu bekannt, so dass an einer Beendigung der Gewalt gearbeitet werden kann Maßnahmen der Polizei, Strafverfolgung und Justiz allgemein gegen Partnergewalt (z.B. Wegweisung, Ingewahrsamnahme, generelle Bejahung des öffentlichen Interesses bei der Strafverfolgung, Näherungsverbot u.ä.) dienen unmittelbar dem Zweck der Beendigung von Gewalt in konkreten Einzelfällen. Darüber hinaus sind sie in der Regel aber mit der Absicht verbunden in die Gesellschaft hinein zu wirken. Es soll vermittelt werden, dass Partnergewalt ein schwerwiegendes und verwerfliches Verhalten darstellt. Eine Rezeption dieser Botschaft, so die Hoffnung, könnte zu einer Verhinderung neuer Fälle von Partnergewalt beitragen. In der internationalen Forschung gibt es einige Hinweise auf einen solchen Zusammenhang, so wurde etwa mehrfach berichtet, dass im Vergleich verschiedener Staaten mit einer zunehmenden Härte gesetzlicher Regelungen gegen Partnergewalt deren Häufigkeit ab-