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Sensible Begleitung von gewaltbetroffenen Frauen während der Schwangerschaft und Geburt Fachfrauen geburtshilflicher, ärztlicher und pflegerischer Berufsgruppen weisen seit mehreren Jahren auf die Notwendigkeit einer besseren und sensibleren Unterstützung und Betreuung bei der Geburtsvorbereitung, -begleitung und -nachbetreuung für Frauen, die sexualisierte Gewalt in der Kindheit und/oder im Erwachsenenalter erlebt haben (Erfmann 1998; Schönfeld 2001a; Schönfeld 2001b; Leeners/Richter-Appelt et al. 2003).40 Sie machen darauf aufmerksam, dass sexuelle Gewalt jegliche Form der Beziehung zu anderen, zur eigenen Person und auch zum eigenen Körper beeinträchtigt - was insbesondere während einer Schwangerschaft deutlich werden kann. So ist bei körperlichen Untersuchungen während der Schwangerschaft, Geburt und postpartum Phase mit einem hohen Risiko zu rechnen, dass sog. Trigger ausgelöst werden können (vgl. Leeners/Richter-Appelt et al. 2003). „Triggerreize“ können Flashbacks hervorrufen und bewirken, dass sich Frauen wie in der erlebten Gewaltsituation fühlen und entsprechend reagieren. Flashbacks treten häufiger in der Phase der Schwangerschaft und Geburt auf als in anderen Lebensphasen, da das Körpergedächtnis aktiviert wird und eine Reaktualisierung von Gewalt eher erlebt werden kann (Erfmann 1998; Leeners/RichterAppelt et al. 2003; Olbricht 2004). Die körperlichen Veränderungen der Schwangerschaft können von Frauen als kritisch erfahren werden, da sie diese nicht beeinflussen und kontrollieren können. Die Auseinandersetzung mit der zukünftigen Mutterrolle kann Erinnerungen an die eigene Kindheit lebendig werden lassen und eine Reihe von zwiespältigen Gefühlen hervorrufen, insbesondere dann, wenn Frauen in ihrer Kindheit sexueller Gewalt ausgesetzt waren (Olbricht 2004). In der Schwangerenvorsorge können bewusste und unbewusste Triggerreize dazu führen, dass Vorsorgetermine nicht wahrgenommen und Untersuchungen abgelehnt werden, um belastenden Situationen zu entgehen (Leeners/Richter-Appelt et al. 2003). Bereits ein Krankenhausaufenthalt kann von gewaltbetroffenen Frauen als traumatisierend erlebt werden, da das Gefühl der Eigenständigkeit eingeschränkt ist und ein routinierter, wenig beeinflussbarer Tagesablauf als Kontrollverlust wahrgenommen werden kann. Bei ärztlichen Untersuchungen und medizinischen Eingriffen kann z.B. das Liegen auf einem gynäkologischen Untersuchungsstuhl zu Panikattacken führen. Um zusätzliche Traumatisierungen und weitere Gefährdungen für schwangere Frauen und ihre neugeborenen Kinder zu verhindern, bedarf es einer besonderen Sensibilität des Krankenhauspersonals, dem sich die Frau anvertrauen muss. Konkrete Absprachen und das Mitgestaltungsrecht bei der Geburt können helfen, eine Retraumatisierung vergangener Gefühle und Körperreaktionen zu vermeiden. Entscheidend ist, dass eine Frau während 40
Vgl. auch www.geburtskanal.de