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Im Zusammenhang mit häuslicher Gewalt kann eine Schwangerschaft auch die direkte Folge von sexueller Gewalt sein (Holmes/Resnick et al. 1996; Heynen 2003; Heynen 2004). Vergewaltigung in der Ehe ist hierzulande noch immer ein stark tabuisiertes Thema. Das Ausmaß sexueller Gewalt in Paarbeziehungen verdeutlicht die bundesweite Repräsentativbefragung von Frauen: Knapp die Hälfte aller Frauen (49%), die nach dem 16. Lebensjahr sexuelle Gewalt erlebt hatten, gab als Täter den (Ex-) Partner an. Der Ort, an dem die sexuelle Gewalt überwiegend stattgefunden hatte, war die eigene Wohnung (70%) (Schröttle/Müller 2004: 77). In einer Untersuchung von Heynen waren alle Frauen, die Kinder mit einem körperlich und sexuell misshandelnden Partner hatten, auch als Folge einer Vergewaltigung schwanger geworden (Heynen 2000). Weiter kann Gewalt in der Paarbeziehung die Verhütungsmöglichkeiten von Frauen einschränken, indem z.B. der Partner versucht, den Zugang zu Verhütungsmitteln zu kontrollieren oder Frauen zeigen aufgrund früherer sexueller Gewalterfahrungen ein risikoreicheres Sexualverhalten (Holmes/Mayer 2003).

Gesundheitliche Folgen Generell wirken sich Gewalterfahrungen auf den jetzigen und zukünftigen Gesundheitszustand, das Gesundheitsverhalten der Betroffenen und deren Gesundheitschancen aus. Die Folgen können direkt und indirekt, kurzfristig oder langfristig sein und sie können sich chronifizieren. Sie reichen von Hämatomen bis hin zu tödlichen Konsequenzen (vgl. Gloor/Meier 2004, Hellbernd/Brzank et al. 2004). Körperliche und sexuelle Gewalt während der Schwangerschaft haben negative gesundheitliche Auswirkungen sowohl auf die Frau wie auch auf das Neugeborene. Eine schwangere Frau, die Gewalthandlungen oder Drohungen erleidet, ist einer direkten Gefährdung und enormem Belastungsstress ausgesetzt. Über vermehrte Komplikationen bei Schwangerschaft und Geburt berichteten in der bundesdeutschen Repräsentativbefragung ein Drittel der von sexueller bzw. häuslicher Gewalt betroffenen Frauen (Müller/Schröttle 2004: 153). In einem Review fassen Boy und Salihu 30 Studienergebnisse zu den gesundheitlichen Auswirkungen von Gewalt während der Schwangerschaft vergleichend zusammen und verdeutlichen das Ausmaß und die Bandbreite der mit Gewalt signifikant assoziierten Gesundheitsfolgen (Boy/Salihu 2004). Körperliche Verletzungen während der Schwangerschaft sind vor allem im Brust-, Unterleib und Genitalbereich zu finden (Boy/Salihu 2004). Zu den spezifischen Folgen gehören Plazentalösungen, Uterusrupturen und Frakturen beim Fötus (Holmes/Mayer 2003; Boy/Salihu 2004). Eine nordamerikanische Studie kommt zu dem alarmierenden Ergebnis, dass die Müttersterblichkeit aufgrund von medizinischen Komplikationen zurückgeht - jedoch aufgrund von gewaltverursachten Verletzungen zunimmt