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Ich: „Was meinst du mit normale Familie“ Nora: „Einfach reden.“ Nora weint. Gewalt ist immer auch Gewalt an der Sprache, setzt sich an Stelle von Dialog und Kommunikation.
Nora stellt ihre Hilflosigkeit gegenüber der sprachlichen Gewalt des Vaters in der Zeichnung „Worte können schlimmer sein als Schläge“ dar.17 Sie zeichnet sich ganz an den Rand, so als würde sie gar nicht da sein, und ohne Hände – also handlungsunfähig. Nora zeichnet sich jedoch gleich groß wie ihre Eltern, was auf ihre Parentifizierung verweist. Wenn der Vater so schrie, fühlte sich Nora „als wäre er der Größte und zertrampelt uns“. Die sprachliche Gewalt des Vaters war in der Familie allgegenwärtig. Nora zeichnet, wie ihr Vater ihr Ich zertritt18, und symbolisiert damit die Erfahrung von Ohnmacht, Erniedrigung und Demütigung durch die Gewalt der Sprache, die bis zur Angst vor Vernichtung ihres Ichs geht. In der Zeichnung „Tropfen“ (Abb. 2) stellt Nora ihre Schutzlosigkeit gegenüber dem Miterleben der sprachlichen Gewalt im Symbol eines bunten Tropfens dar und erklärt dazu: ǰǰđȱȱȱǰȱȱȱĴȱȱǯȱȱ ȱ ȱ£ǰȱ ȱȱȱǯȱ Draußen ist sie rot vor Zorn und grün vor Wut, weiter drinnen ist sie traurig (blau), noch weiter innen versucht sie, dagegen anzukämpfen, die Traurigkeit und der Zorn vermischen sich (blau, rot und grün vermischen sich zu lila), das Kind ist ganz nervös, noch weiter innen ist es rosa, da wird es ruhiger, und ganz innen ist es gelb, da kann es gar nichts dagegen machen, weil es ganz klein, zart und weich ist. Das zarte Innere kann verletzt werden, so ȱȱ¢ȱȱȱ §ĴǰȱȱȱȱûȱȱĴȱ Ğȱǰȱȱȱ keinen Schutz.”
Abb. 2
17 Abbildung der Zeichnung siehe Strasser 2001, S. 70. 18
Abbildung der Zeichnung siehe Strasser 2001, S. 177.