2.2 KiB
Der für die „Hilfe zur Erziehung“ (§§ 27 ff. KJHG) vorgeschriebene Hilfeplan ist beispielhaft für den auch gesetzlich geforderten Paradigmenwechsel in der Sozialen Arbeit. Aus der autoritärkustodialen Fürsorge wird die am Bedarf ihrer Adressatinnen ausgerichtete Dienstleistung. Es geht nicht mehr um die Fürsorge für eine abhängige, inkompetente Klientel. Stattdessen werden Familien, Kinder, Jugendliche, Eltern als Nachfragerinnen nach Unterstützungsangeboten verstanden, die trotz Schwierigkeiten bei der Bewältigung ihres Alltags die Expertinnen für ihn bleiben. Die Unterstützung dient im Sinne des Empowerment-Ansatzes als Bemächtigung zu einer selbstverantwortlichen und sozial tolerablen Lebensgestaltung. Damit werden die Adressatinnen zu den offiziellen Auftraggeberinnen der Sozialen Arbeit. Diese Perspektive wird seit geraumer Zeit im systemischen Feld unter dem Begriff der Kundenorientierung diskutiert (Schweitzer u. Reuter 1991). Damit wird die Adressatin von professionellen psychosozialen Angeboten als Person bzw. System benannt, das einen von ihm bestimmten Bedarf als Dienstleistung in Auftrag geben kann. Dem gegenüber steht die Fremddefinition eines psychischen und materiellen Bedürfnisses durch professionelle Expertinnen. Schweitzer hat anschaulich beschrieben, zu welchen Strategien die Adressatinnen einer so verstandenen psychosozialen Arbeit greifen, um ihre Bedarfsdefinition gegen die Übergriffe wohlmeinender Helferinnen zu verteidigen (Schweitzer 1995). Hargens definiert „Kundin“ als eine in ihrer Lebenswelt „kundige“ Person, die auch in der Lage ist, mithilfe psychosozialer Profis Lösungen für ihre Probleme „auszukundschaften“ (Hargens 1993). Die Intention dieser Begriffsbildung halte ich für gerechtfertigt, den Begriff selbst für problematisch. Denn es ist nicht zu übersehen, dass der Begriff der Kundin aus der Sphäre des wirtschaftlichen Austausches stammt; dort bezeichnet er den Erwerb einer Ware durch eine Person auf dem freien Markt. Von diesem Kontext lässt er sich nicht trennen, und seine Verwendung unterstützt sprachlich die postmoderne Tendenz, alle Sektoren der Gesellschaft unter die Vorherrschaft einer