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5.2.2 Alltag und Lebenswelt Soziale Arbeit setzt am Alltag ihrer Auftraggeberinnen an. Alltag meint die Sicherheit gebende Routine des immer Wiederkehrenden, die Gewährleistung von Haushalt und Einkommen durch familieninterne Beziehungs- und familienexterne Erwerbsarbeit, die Gestaltung der Wohnung, die Sicherstellung der Ernährung und die Logik des Sich-irgendwie-Durchwurschtelns. „Gelingender Alltag“ (Thiersch 1992) benötigt deshalb eine Vielzahl von Kompetenzen – miteinander sprechen, sich lieben und sich streiten, arbeitsteilig und kooperativ handeln, einerseits planen und ordnen und sich andererseits flexibel in unvorhersehbaren Situationen bewegen können, Langeweile aus- und das Interesse am Nichtalltäglichen erhalten. Ein gelingender Alltag erfordert auch den Unterschied zum Alltäglichen. Das Außergewöhnliche – Feste, Spontaneität, Glücksgefühle und die Highlights des Beziehungslebens – wirkt langfristig, wenn es im Alltag vorbereitet bzw. angestrebt wird und danach in ihn zurückkehren kann. Mit dem Konzept des gelungenen Alltags tritt Soziale Arbeit zumindest theoretisch aus dem Feld der Zuweisung von Pathologie, Anormalität und Verrücktheit heraus. Problematische Verhaltensweisen werden nicht mehr aus dem Alltag verbannt und jenseits von ihm angelegten Sonderbereichen zugewiesen. Sie sollen sich im Alltag zeigen dürfen und auch in ihm bewältigt werden. Hier setzt Soziale Arbeit an: Sie nutzt die von ihr und anderen Professionen entwickelten Methoden, um in Krisen befindliche Systeme bei der (Rück-)Gewinnung ihrer zur Alltagsbewältigung notwendigen Kompetenzen zu unterstützen. Dabei richtet sie sich im Sinne der Ressourcenorientierung primär an dem aus, was ihre Auftraggeberinnen schon können, und erst sekundär an dem, was fehlt. Ein so verstandener Alltagsbegriff vermeidet den Rückzug in den wissenschaftlichen Elfenbeinturm wie auch die theoretische Anpassung an das, was so ist und sich nicht ändern lässt.5 Er fördert nicht den „Rückzug ins Überschaubare, Enge, die Bestätigung dessen, was sowieso schon passiert, oft einhergehend mit einer gleichsam