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4.3.4 Zentrale Ideen, Mythen und Geschichten als Traditionsübermittler Ideen, Mythen und Geschichten sind handlungsleitend, handlungsbegründend, sinnverweisend und stellen die Beziehung zwischen den Generationen her. Sie markieren zentrale Orte in der kognitiv-affektiven Familienlandkarte. Mythen wurden von Ferreira in der aufklärerischen Tradition der Psychoanalyse als „familiäre Abwehrmechanismen“ (Ferreira 1980) analog zu den „Abwehrmechanismen des Ich“ (A. Freud 1964) gesehen. Eine systemisch-rekonstruktivistische Perspektive betont dagegen die in den Mythen liegenden Ressourcen. In ihnen verdichten sich besonders prägnante Geschichten zu handlungsleitenden, handlungsbegündenden und Sinn stiftenden Ideen, die gerade durch ihre symbolische Kraft zum familiären Zusammenhalt beitragen. Mittels zentraler Ideen werden Absichten, Ziele und Mittel der Zielerreichung miteinander verknüpft. Im Rahmen sozialer Systeme müssen die Ideen der einzelnen Mitglieder und des Systems miteinander koordiniert werden. Im besten Fall findet eine Koevolution beider Systemebenen, im schlechtesten Fall eine Ausstoßung des Sündenbocks oder ein Auseinanderbrechen der Familie statt. Beispiel: Eine Familie bekennt sich zu der Leitidee, eine „besondere und zugleich dem Gemeinwohl verpflichtete Familie“ zu sein. Seit Generationen sind ihre Mitglieder im öffentlichen Leben mit großem sozialem Prestige vertreten. Die Kinder geben im Sinne des Loyalitätskonzeptes auf diese Weise ihre Verpflichtungen an die eigene Familie (Eltern, Eltern der Eltern usw.) durch die Übernahme öffentlicher Aufgaben zurück. Darüber hinaus vermittelt ihnen die Familienidee von Kindesbeinen an ein Gefühl der Bedeutsamkeit und Sinnhaftigkeit. Das stärkt ihr Selbstwertgefühl und motiviert sie zur Übernahme wichtiger öffentlicher Funktionen. Die öffentliche Anerkennung hat wiederum einen verstärkenden Rückkoppelungseffekt für das familiäre und persönliche Selbstwertgefühl.