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4.1.3 Sozialisation und Enkulturation aus der Sicht der Familiendynamik Unter familiendynamischer Perspektive lässt sich die Familie als eine „Schicksalsgemeinschaft“ bezeichnen. In ihr bilden sich durch Nähe, Kontinuität, Langzeitperspektive des familiären Zusammenlebens und Traditionsbildung intensive sichtbare und unsichtbare Loyalitäten (Boszormenyi-Nagy u. Spark 1981) innerhalb und zwischen den Generationen heraus. Mangelt es an diesen Loyalitätsbindungen, werden die zentrifugalen Kräfte des Systems übermächtig, im gegenteiligen Fall die zentripetalen Kräfte. In deren dialektischem Zusammenspiel gewinnt jede Familie ihre ganz eigene Systemkohäsion. Die Fixierung auf eine der beiden Extrempositionen des Spektrums gefährdet die ihr gesellschaftlich zugewiesene Sozialisationsfunktion. Sozial auffällige Kinder stammen zu einem erheblichen Teil aus Familien, in denen sich eine solche Fixierung chronifiziert hat (vgl. Stierlin 1975a). Eltern und Kinder extrem bindenender Familien haben große Schwierigkeiten, die in der individualisierenden Postmoderne immer stärker und früher geforderte bezogene Separation zu leisten. Eltern und Kinder in ausstoßenden bzw. verwahrlosenden Systemen stehen hingegen in der Gefahr, zu wenig Bindung und damit einen Mangel an Beziehungsfähigkeit herauszubilden. Dies hat für die Seite der Kinder die mit familiendynamischen Perspektiven verknüpfbare Bindungstheorie herausgestellt (Spangler u. Zimmermann 1999; Brisch 2000). Gelungene Sozialisation wird wahrscheinlicher jenseits dieser Extreme. Sie ist auch an die Koevolution von Eltern und Kindern gebunden. Sowohl Bindung als auch Ausstoßung, zentripetale wie zentrifugale Impulse (Stierlin 1975a) werden von beiden Seiten ins Spiel gebracht. Es gibt aus systemischer Sicht keine bindenden Väter/Mutter und gebundene Kinder, sondern bindende Familienstrukturen, welche durch die Beziehungshandlungen aller beteiligten Familienmitglieder gestützt werden. Das Gleiche gilt auch für die ausstoßenden Systeme. Allerdings steht am Anfang dieser Entwicklung die „Anpassung an die Realität der stärkeren