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Raw Blame History

3.3.6 Wissenschaft und Technologie Wissenschaft und Technologie entwickelten sich im Kapitalismus zur „ersten Produktivkraft“ (vgl. Habermas 1971, S. 79). Heute ist entgegen der marxschen Analyse nicht mehr die menschliche Arbeitskraft primärer Faktor der Erschaffung von Werten, sondern die zur Technologie geronnene Verbrüderung von Wissenschaft, Technik und Ökonomie. Früher konnten Maschinen nur mithilfe der Menschen ihre produktive Kraft entfalten. Daher auch der stolze Arbeiterspruch: „Alle Räder stehen still, wenn dein starker Arm es will.“ Heute werden die Menschen tendenziell zum Anhängsel der Produktionstechnologien, d. h., die Maschinen laufen nach ihrer Programmierung auch ohne bzw. mit nur geringem menschlichem Zutun. Prototyp und Metapher für diese Entwicklung ist die industrielle Serienfertigung durch Roboter. Dieser Sektor wird durch die Leitidee der Naturbeherrschung (und damit auch der Menschenbeherrschung) organisiert. Ihr Leitsatz findet sich schon im 1. Buch Mose (1, 28) als Auftrag Gottes an die von ihm erschaffenen Menschen: „Füllet die Erde und machet sie euch untertan.“ Der ebenfalls im Christentum bekannte liebevolle Bezug zur Natur hier ist beispielhaft auf Franz von Assisi zu verweisen ist auch heute noch „konkrete Utopie“ (Bloch 1973). „Je effektiver, desto besser“, meint das Abendland, und zwar schon bevor es den Kapitalismus heutiger Prägung gegeben hat. Aber dieser optimiert alle Möglichkeiten der technischen Unterwerfung von Natur und Mensch durch das Zusammenspiel von Ökonomie, Wissenschaft und Technologie. Aus diesem Zusammenschluss resultiert das Argument des „Sachzwanges“. Wer sich nicht dem Vorwurf der Irrationalität und Ideologieverfallenheit aussetzen will, muss bestimmte politische Entscheidungen (z. B. bei der „Modernisierung des Sozialstaates“) und ökonomische Entwicklungen (z. B. das Anheizen des Konsums durch immer kurzlebigere Gebrauchsgüter) zumindest hinnehmen. Kritik daran ist nicht akzeptabel, weil jede Alternative als unrealistisch und deshalb irrational stigmatisiert wird.