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WR Jugendhilfe 1 05.book Seite 292 Mittwoch, 14. September 2005 7:25 19

Franz Herrmann

werden darf, sondern mit Blick auf die Qualität und Umsetzbarkeit ihrer Ergebnisse genauso stark den Prozess der kommunikativen Verständigung zwischen den relevanten Akteuren gestalten muss. Allerdings besteht angesichts der Vielzahl der bei Planungen betroffenen Akteurinnen sowie der immer knappen Ressourcen erstens das Risiko, sich vor allem auf die Einflussreichsten und am leichtesten Erreichbaren zu konzentrieren. Vor allem aus diesem Grund fällt in vielen Planungen die Partizipation der Adressatinnen und Nutzerinnen so spärlich bzw. oberflächlich aus. Zweitens besteht das Risiko, angesichts der Vielfalt und Unterschiedlichkeit der Interessen der Akteure keine tragfähigen Konsense bei Handlungsmaßnahmen und Prioritätensetzungen zu finden. Dass diese Risiken hier nicht durchschlugen, ist Ausdruck der gelungenen Etablierung eines Netzwerkes von Verständigungsstrukturen und -prozessen, in denen die erforderlichen Balancen zwischen den unterschiedlichen Einschätzungen und Interessen der Akteure gefunden werden konnten. Die zwei »Scharniere« zur Entscheidungsspitze bzw. zu den Sozialräumen der Kommune waren hier von besonderer Bedeutung: erstens die Steuerungsgruppe, die eine Verbindung zwischen Planung und Verwaltungsspitze bzw. politischen Entscheidungsgremien sicherstellte; zweitens waren auf der Ebene der Sozialräume mit den Sozialraumkonferenzen, Ortschaftsräten, runden Tischen etc. bereits einige Strukturen vorhanden bzw. konnten im Verlauf der Planung fehlende etabliert werden, die eine schnelle Anbindung der Planung an die Akteure, Netzwerke und das lebensweltliche Wissen in den Stadtteilen ermöglichten. Die Aushandlungsprozesse in diesen Strukturen waren vor allem zu Beginn der Planung teilweise konfliktreich und schwierig. Durch die gute Zusammenarbeit zwischen den Teilsystemen sowie die zunehmende gemeinsame Erfahrung positiv gelöster Meinungsverschiedenheiten entstand aber sukzessive eine immer tragfähigere Arbeitsgrundlage zwischen den Beteiligten, die am Ende nicht nur den inhaltlichen, sondern auch den politischen Erfolg der Planung sicherte. • Planung wurde am Anfang dieses Beitrags vorgestellt als Instrument, mit dem der Handlungsmodus kritischer Reflexion in Organisationen der Jugendhilfe implementiert werden kann, damit sich der »strukturelle Konservatismus« (Girschner) von Organisationen nicht ungebremst durchsetzt. Am vorgestellten Beispiel wird allerdings erkennbar, dass die Methode »Planung« nicht per se diese Funktion übernehmen kann, sondern es von der konkreten Ausgestaltung vor Ort abhängt, ob sie ihr reflexiv-kritisches Potenzial entfalten kann oder auch nicht! Ausgangspunkt der beschriebenen Planung waren einerseits Defizite und Probleme des bisher favorisierten arbeitsfeld-

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