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Raw Blame History

WR Jugendhilfe 1 05.book Seite 262 Mittwoch, 14. September 2005 7:25 19

Albrecht Reiner, Dorothea Scholz, Susanne Joos und Wolf Ritscher

den gegenseitigen langjährigen Verletzungen zurück. Deutlich wurde, dass die Kinder schon mehr Wagnisse hinsichtlich einer »bezogenen Separation« (Ritscher 2002) von den Eltern eingehen können als die Eltern selbst. Denn für diese wäre Trennung zugleich mit dem Aufgeben der Beziehung verbunden was, auch am Ende der Therapie, die Mutter als existenzielle Zerstörung und der Vater als kaum zu ertragende Schuld ihr gegenüber erleben würde. Wenn sich der Erfolg oder Misserfolg (s. Ritscher 1987) einer Therapie am Erreichen der ursprünglich gesteckten Ziele abmessen lässt, ist diese Therapie als mäßig erfolgreich zu bewerten. Die Konfliktlage innerhalb der Familie hat sich nach heftigen Krisen entspannt. Manche Bedürfnisse und Interessen sind klarer hervorgetreten, eine gegenseitige Anerkennung von Leistungen und Verdiensten gelingt besser, Zukunftsperspektiven wurden entwickelt oder haben sich in der Zeit von selbst eröffnet. Wenn wir uns dagegen an eigenen Zielen messen, ist die Therapie eher gescheitert. Denn die äußere Trennung ist nicht vollzogen, und damit auch nicht die innere, welche den Kindern mehr Spielräume eröffnen würde. Elena bereitet uns am meisten Sorgen, weil sie zu wenig für sich selber sorgt und die Stabilität der Mutter über ihre eigene stellt. Geschafft haben wir es allerdings, dass wichtige Themen der Familie enttabuisiert wurden. Vielleicht geht die Entwicklung für alle Beteiligten positiv weiter auch ohne Scheidung der Eltern, ohne einen Auszug oder den andiskutierten Wohnungstausch. Wir müssen ja nicht Recht haben! 7.7 Die Familie danach Was wir von ihr wissen Im Mai 2004 nahmen wir erneut Kontakt zur Familie auf, um von ihrer weiteren Entwicklung zu hören und die Erlaubnis für die Veröffentlichung der Fallgeschichte zu erhalten. Frau Ernst wimmelte uns am Telefon erst ab. Sie befürchte ein Wiederaufwühlen der Probleme. Schließlich erzählte sie uns doch die aktuelle Familiensituation aus ihrer Sicht: Karin macht ihre Ausbildung in einem anderen Bundesland und kommt nur an Wochenenden nach Hause, ähnlich wie Tatjana. Elena hat ihre Ausbildung begonnen und wohnt weiterhin bei der Mutter. Mit ihrem Diabetes gehe sie unachtsam um. Sie muss immer wieder neu eingestellt werden, weil sie sich nicht an die ärztlichen Vorgaben hält. Michael hat seine Lehre begonnen und wohnt im Lehrlings262