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WR Jugendhilfe 1 05.book Seite 242 Mittwoch, 14. September 2005 7:25 19

Albrecht Reiner, Dorothea Scholz, Susanne Joos und Wolf Ritscher

hänge des problematischen Verhaltens ebenso, wie er auch mögliche Lösungen enthält. Andere wichtige Komponenten der Kontextorientierung sind die Erfragung des Überweisungskontextes und der spezifischen Erwartungen, Ziele, Motive aller Mitglieder des Systems bezüglich der Therapie. Ein weiterer, besonders für die soziale Arbeit wichtiger Kontext wird durch das Erfragen von bisherigen Erfahrungen mit dem Jugendamt und anderen psychosozialen Diensten abgeklärt. Hier kann man sich erste Informationen über die im Hilfesystem bereitstehenden Fettnäpfchen verschaffen, in die man nicht hineintreten sollte. Zugleich erhält man dadurch auch Hinweise, wie das Joining mit der Familie gelingen kann. • Das Konzept des Joinings stammt von Salvator Minuchin (s. Minuchin et al. 2003). Übersetzt mit »Anschluss an die Familie finden« verweist es auf das professionelle Wechselspiel von Identifikation mit und Distanzierung von der Familie. Identifikation ermöglicht der Therapeutin Informationen über den familiären Prozess durch Intuition und »Resonanz« (s. Elkaim 1992). Distanz verhilft zur Metaposition, in der bewusst und theoriegeleitet Hypothesen gebildet und durch »sondierende« Interventionen geprüft werden können. • Grundlage unserer Arbeit ist eine Anteil nehmende, wertschätzende und allparteiliche Haltung des Therapeutinnenteams gegenüber der gesamten Familie und ihren einzelnen Mitgliedern. Zugleich sind wir im Sinne des Neutralitätspostulates systemischer Therapie (vgl. Cecchin 1988) bestrebt, die im vorherigen Punkt genannte Metaposition zu wahren. • Symptomatisches Verhalten verstehen wir als die zum Problem gewordene Folge eines Wechselspiels von Interaktionen und Bedeutungsgebungen. Es enthält Beziehungsbotschaften für das gesamte System, die auf eine ernsthafte Krise und misslungene Lösungsversuche verweisen sowie Hinweise für ihre Überwindung geben falls man gewillt ist, auf Zwischentöne, Subtexte und die Bedeutungsvielfalt der verbalen und nonverbalen Sprache zu achten. Symptome sind zugleich Hilferufe in einer chronisch ausweglosen Beziehungssituation, die durch Konfusion, Regression, Hilflosigkeit und den Verlust von Handlungsoptionen gekennzeichnet ist. Symptome sind also im Rahmen des Systems, in dem sie ent- und bestehen, sinnvoll, weil sie mit den Realitätskonstruktionen aller Systemmitglieder verknüpft sind. In diesem Sinne leisten alle Familienmitglieder und die soziale Umwelt der Familie spezifische Beiträge zur Erzeugung und Aufrechterhaltung von Symptomen. • Darum gilt in unserem Ansatz für Beziehungen weder ein einfaches Ursache-Wirkung-Prinzip, noch kann eine einzelne Person als krank, gestört, verhaltensauffällig etikettiert werden. Die Wahrnehmung

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