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WR Jugendhilfe 1 05.book Seite 193 Mittwoch, 14. September 2005 7:25 19
- Systemische Ansätze in der stationären Jugendhilfe
• S: In welchen Situationen tritt das Verhalten auf, wo gibt es Ausnahmen, welches sind die Auslöser für das grenzverletzende Verhalten, wie reagieren die Opfer, wie die Erzieherinnen? Zur Systematisierung der Situationsbeschreibung erwies sich für uns die Verhaltensund Bedingungsanalyse nach dem verhaltenstherapeutischen SORKModell als nützlich (s. Schulte 1996). Als spezifisches Zielverhalten wurde festegelegt: B. lernt Grenzen von anderen achten, hält sich nicht unangemessen in Zimmern anderer auf, kann seine eigenen Bedürfnisse wahrnehmen und beherrschen, vertraut sich hinsichtlich seiner sexuellen Fantasien und Wünsche dem männlichem Bezugserzieher an, zeigt kein einschüchterndes Verhalten gegenüber früheren »Opfern«. • M: Messbar sind bzw. ist: – grenzenbeachtende Verhaltensweisen von B. in beobachtbaren Situationen, z. B. wenn er ein Nein akzeptiert; diese Situationen können in vivo in der Gruppe oder virtuell im Rollenspiel beobachtet werden; – ob er nie bzw. wie oft er in den Zimmern der jüngeren Jungen anzutreffen ist; – dass er die Vereinbarung einhält, zweimal wöchentlich mit dem Bezugserzieher über anfangs vorgegebene, später selbst gewählte Themen spricht; – dass er, wie der Erzieher auch, ein Begleitprotokollheft für die Gespräche führt. • A: Die Erreichbarkeit der Ziele wurde gewährleistet, indem sie dem persönlichen Entwicklungsstand des Jungen, seinem sozialen Umfeld (der Heimgruppe und dem Heim als Gesamtsystem) angepasst und vertraglich in einer für ihn nachvollziehbaren Sprache festgelegt wurden (vgl. die 4K4P-Fragen in Abschnitt 2.2.5). Das oberste Ziel war definiert als Bewältigung der durch die sexuelle Entwicklung natürlicherweise entstehenden sexuellen Fantasien und Wünsche ohne Belästigung anderer Buben. Einige wichtige Teilziele wurden schon unter M dargestellt; ein weiteres wichtiges Teilziel war es, zu klären, ob sich seine sexuellen Wünsche mehr auf Mädchen oder Jungen richten und dass weder das eine noch das andere »unmoralisch« ist. • R: Die Ziele und Interventionen wurden im Hinblick auf soziale Situationen und das soziale Umfeld formuliert, und zugleich wurde ein Vertrauensverhältnis zwischen dem Jugendlichen und seinem Bezugserzieher initiiert (related). Gleichzeitig bezogen sich Ziele und Interventionen auf das zurzeit wichtigste Entwicklungsthema des Jugendlichen, seine Sexualität und die damit verbundenen »Entwicklungsaufgaben« (Havighurst nach Baacke 1998); in den Gesprächen mit dem Bezugserzieher ging es wesentlich um den Sinn seines
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