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WR Jugendhilfe 1 05.book Seite 114 Mittwoch, 14. September 2005 7:25 19
Silvia Musch-Grau und Wolf Ritscher
gen Thema in den Elterngesprächen mit den Fachkräften der Tagesgruppe. Es stellte sich heraus, dass Frau Schmitt ihre Tochter jeden Abend wickelte. Nach einem Jahr wurde die Jugendhilfemaßnahme auf Wunsch der Eltern eingestellt. Im damaligen Abschlussgespräch betonte die Einrichtung, ein gezieltes Angebot für Sarah sei nach wie vor ausgesprochen wichtig, das bisherige Angebot sei allerdings vom Umfang her unzureichend. Dennoch kam es zu keiner Anschlussmaßnahme. Bei der nun erneuten Kontaktaufnahme zwischen ASD und Frau S. wurde vereinbart, eine Klärung auf mehreren Ebenen anzustreben: die gesundheitliche Abklärung durch eine Kinderärztin, die psychologische Abklärung durch eine Jugendtherapeutin und die Analyse von Sarahs schulischer Situation durch eine Schulpsychologin. Für Sarahs Lehrer stand fest, dass ihre Probleme ausschließlich mit ihrer »schwierigen« Familie zu tun hätten. Die Schule habe Frau Schmitt mehrfach dazu aufgefordert, sich an den Sozialdienst zu wenden. Sarah sei innerhalb der Klasse in einer Außenseiterposition, in die sie sich selbst hineinmanövriert habe. Sie habe nach seiner Beobachtung keinerlei Erfahrungen, wie man Beziehungen positiv gestalte. Sie zeige extrem negative Verhaltensweisen und verhalte sich in der Klasse verbal und körperlich aggressiv. Darüber hinaus leide sie unter extremen Stimmungsschwankungen. Sorge bereite ihm, dass sie keinerlei Bereitschaft zeige, ihren eigenen Anteil an Konflikten wahrzunehmen. Sie suche die Schuld stets bei den anderen und verdrehe die Tatsachen. Ihre Mutter sei im Übrigen genauso. Zwischen Frau S. und Sarahs Lehrer bestanden große Konflikte. Im gemeinsamen Gespräch wurde versucht, die Grundlage für ein einheitliches Vorgehen zu schaffen und konkrete Absprachen zu treffen. Die Untersuchung der Kinderärztin ergab, dass Sarahs Gesundheitszustand nicht Besorgnis erregend sei. Die Jugendtherapeutin benannte zwei Probleme: die langfristige Entwicklung einer Essstörung und das nächtliche Einnässen. Sie schlug für den gegenwärtigen Zeitpunkt eine ambulante Therapie mit Sarah und begleitende Gespräche mit Frau Schmitt vor. Unter vier Augen deutete sie an: Die eigentlich Hilfebedürftige sei Sarahs Mutter. Nach Absprache mit Frau Schmitt und Sarah wurde eine Einzeltherapie in die Wege geleitet. Monate später meldete sich die Schule Sarahs erneut, weil sich Sarahs Lehrer Sorgen um ihren Gesundheitszustand machten. Sarah 114