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WR Jugendhilfe 1 05.book Seite 104 Mittwoch, 14. September 2005 7:25 19
Silvia Musch-Grau und Wolf Ritscher
kann der Wechsel von Schule und Freundeskreis als Folge einer Jugendhilfe vermieden werden. Die Kontakte zwischen Kind und Elternhaus werden weiter gepflegt, und die Elternarbeit kann in hoher Intensität geleistet werden. Im Vergleich zu den statischen, alten Jugendhilfeangeboten bieten sich jetzt neue, flexible Hilfeformen an. Die Kriterien Lebensweltorientierung und Integration stehen nun im Vordergrund. Dies beinhaltet die Zielsetzung, ein Kind wenn immer möglich in seinem alltäglichen Lebensumfeld zu belassen und ihm dort (beispielsweise in Kindergarten und Hort) die Förderung zukommen zu lassen, die es benötigt. Stets soll das im Stadtteil vorhandene Angebot von Vereinen, kirchlichen oder ehrenamtlichen Gruppen genutzt werden, bei Bedarf sollen neue Angebote entwickelt werden. Die Stärken und Ressourcen des Umfeldes, der Familie und des Kindes oder Jugendlichen sollen bewusst wahrgenommen und im Hilfeprozess berücksichtigt werden. Die Erarbeitung von passgenauen flexiblen Hilfeangeboten geschieht im wöchentlich tagenden »Stadtteilteam«, in dem Mitarbeiterinnen des ASD bzw. der Beratungszentren mit der für die Abwicklung und Finanzierung der Jugendhilfemaßnahmen zuständige »Wirtschaftlichen Jugendhilfe« und den Mitarbeiterinnen des Schwerpunktträgers kooperieren. Das Stadtteilteam befasst sich immer dann mit einer Familie und ihren Kindern, wenn ein Jugendhilfebedarf zu erwarten ist. Die ausführliche Recherche und schriftliche Fallinformation gehört zu den Aufgaben des ASD bzw. der Beratungszentren. Die Fallinformation sollte im Idealfall mehrgenerationale Aspekte beinhalten und ergebnisoffen geschehen, damit allen Mitarbeiterinnen die Chance haben, sich eine eigene Meinung zu bilden. Durch die Zusammenarbeit einer großen Anzahl von Fachkräften mit unterschiedlichsten Qualifikationen und Blickwinkeln gelingt ein erweitertes und vertieftes Fallverstehen. Anhand von Hypothesen werden breit angelegt Ideen für das weitere Vorgehen gesammelt, die in eine Empfehlung der nächsten Schritte münden und die Grundlage für ein passgenaues Jugendhilfeangebot bilden. Der Schwerpunktträger klärt im Anschluss seine Unterstützungsmöglichkeiten ab und macht ein konkretes Angebot. Das Ergebnis des Stadtteilteams und das Angebot des Schwerpunktträgers bilden die Grundlage für den Prozess der Aushandlung mit den betroffenen Familien. Sollten im Verlauf der Jugendhilfe Unsicherheiten bezüglich des weiteren Vorgehens auftreten, kann das Stadtteilteam jederzeit zur Beratung genutzt werden. 104