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WR Jugendhilfe 1 05.book Seite 74 Mittwoch, 14. September 2005 7:25 19

Cornelia Jager

durch entfällt für die Sozialarbeiterin der Druck, die Entscheidung des Teams der Familie im Nachhinein erklären zu müssen. • Die strukturierende Sozialarbeiterin: Sie ist für den Rahmen des Gesprächs verantwortlich, muss den Ablauf erklären, die jeweils neue Sequenz einleiten und eventuell kurz erklären. Da sie die Runde eröffnet, muss sie den Betroffenen das Gefühl vermitteln, willkommen zu sein. Sie hat im Verlauf der Teamberatung eine Doppelrolle: Sie muss einerseits den Prozess und die Dynamik verfolgen, andererseits den Rahmen des Ablaufs und die Zeit im Blick haben. Auch in der Runde des Reflektierenden Teams hat sie die Gesprächsführung. Des Weiteren hat sie die sehr schwierige Aufgabe, die anschließende Teamevaluation zu organisieren und zu strukturieren. • Die Beraterin: Als wichtig wird der Beraterinnenwechsel im Team empfunden; die zuständige Sozialarbeiterin tauscht den Platz mit der Beraterin, die vorher im Reflektierendem Team gesessen hat und der Familie (möglichst) unbekannt sein soll. Dadurch kann die zuständige Sozialarbeiterin »ihre« Familie außerhalb des Beratungssystems beobachten; die Familie dagegen erfährt eine Beratung durch eine unvoreingenommenen Person, welche eventuell nicht im gewohnten Fragemuster der fallzuständigen Kollegin verbleibt. Für die Sozialarbeiterin ist diese Beobachtung wichtig, weil sie selbst aus dem System heraustreten kann und ohne Druck neue Sichtweisen erfährt. Die Beraterin hat in der Teamberatung die schwerste Aufgabe. Sie muss ein Gespräch mit einer ihr unbekannten Familie führen und wird dabei durch die Kolleginnen im Reflektierendem Team beobachtet. Das kann verunsichernd sein, hat aber einen hohen Qualifizierungseffekt für die anderen Sozialarbeiterinnen, da sie ihre eigene Gesprächsführung an der aktuellen Situation überprüfen und dadurch neue Impulse für die eigene Arbeit gewinnen können. Zudem muss sie das Gespräch so führen, dass die Kolleginnen einen möglichst umfassenden Eindruck von der Familiensituation bekommen. Und sie muss den Betroffenen das Gefühl geben, dass sie alles sagen können, was ihnen wichtig ist, vor allem im Hinblick auf die gewünschte Unterstützung. Deshalb muss sie darauf achten, keine Meinung zu äußern, keine Position zu beziehen, keine Ratschläge und Interpretationen zu geben. Dies alles wäre eine unproduktive Verstörung des Familiensystems, weil seine Fähigkeit zur Selbstorganisation und Ressourcenaktivierung missachtet würde. Gewünscht ist dagegen eine Haltung von Neugier, Respekt und Interesse an den Fähigkeiten und bisherigen Problemlösungsversuchen der Familie. Zu guter Letzt wird von der Beraterin erwartet, das Gespräch mit einer Handlungsorientierung zu beenden, d. h., lösungsorientiert zu beraten.

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